Im August 2023 fiel der Startschuss für ein aufwändiges neues Projekt im Kreis Euskirchen – der „Anwerbung von Pflegefachkräften aus Drittstaaten“. Jetzt konnte Landrat Markus Ramers die ersten vier Pflegerinnen und einen Pfleger aus Indien begrüßen. „Sie haben eine weite Reise auf sich genommen, um uns hier bei der Versorgung kranker und pflegebedürftiger Menschen tatkräftig zu unterstützen. Wir freuen uns sehr, dass sie da sind!“ 28 weitere Pflegefachkräfte werden in den nächsten Monaten folgen.
Bei einem kleinen Empfang im Euskirchener Kreishaus wurden die Pflegefachkräfte herzlich willkommen geheißen. Die Basis-Ausbildung haben sie in Indien absolviert, wo sie ebenfalls bereits Deutsch-Sprachkurse belegt haben. Beim Empfang im Kreishaus konnten sie sich schon recht gut auf Deutsch unterhalten.
Die vier jungen Frauen und der junge Mann werden ab sofort in verschiedenen Pflegeeinrichtungen im Kreisgebiet arbeiten: drei im Kreiskrankenhaus Mechernich und je einer im Marienhospital Euskirchen und bei Marienborn in Zülpich. Mit ihrer Fachkompetenz und ihrem Engagement leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Entlastung des Pflegepersonals und zur Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Zunächst aber erhalten sie eine gezielte Unterstützung, um sich bestmöglich in ihrem neuen Arbeits- und Lebensumfeld einzufinden.
Der demografische Wandel und der wachsende Fachkräftemangel stellen auch den Kreis Euskirchen vor große Herausforderungen. Die aktuelle Statistik spricht eine eindeutige Sprache:
• Im Kreis Euskirchen leben derzeit 18.780 pflegebedürftige Menschen,
• davon werden 2.109 stationär und 2.856 ambulant versorgt.
• Zur Verfügung stehen aktuell 28 stationäre Pflegeheime und 45 ambulante Pflegedienste.
„Dieses Versorgungssystem ist personell am Limit – der wachsende Pflegebedarf trifft auf immer weniger Personal“, sagt Birgit Wonneberger-Wrede, die zuständige Geschäftsbereichsleiterin der Kreisverwaltung. „Bis 2030 werden rund 200 zusätzliche Pflegekräfte im Kreis Euskirchen benötigt – d.h. mindestens 40 neue Fachkräfte pro Jahr.“ Bis 2045 ergebe sich ein zusätzlicher Bedarf von knapp 1.200 Pflegekräften, selbst bei gleichbleibendem (bereits angespanntem) Versorgungsniveau. „Bei einer verbesserten Versorgungsdichte liegt der Personalmehrbedarf sogar bei rund 2.000 Pflegekräften“, so Wonneberger-Wrede.
Aus diesem Grund hat die Kreisverwaltung Euskirchen im August 2023 ein Projekt ins Leben gerufen, um frühzeitig die Weichen für eine bessere personelle Aufstellung der Pflegeeinrichtungen zu stellen. Als Projektleiterin managt Sabine Engisch seitdem das Verfahren. Ihre Hauptaufgabe ist es die Einrichtungen gezielt bei der internationalen Fachkräftegewinnung zu unterstützen. Aktuell dabei sind das Marienheim in Bad Münstereifel, das Evangelische Alten- und Pflegeheim in Gemünd, die Kreiskrankenhaus Mechernich GmbH, das Marienhospital Euskirchen und die Marienborn gGmbH in Zülpich.
Der Kreis hat in den vergangenen eineinhalb Jahren die Koordination, Moderation und Organisations- und Unterstützungsaufgaben übernommen – bis hin zur Kommunikation mit Behörden – sowie anteilig Onboarding- und Integrationsmaßnahmen. Als Recruiting-Partner sind Care with Care (CWC), als fachlicher Berater die Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (DeFa) sowie die DRK Schwesternschaft Bonn e. V. als Pflegeschule in das Projekt eingebunden.
„Ziel ist eine langfristig gesicherte Pflegeversorgung – fachlich solide, menschlich und interkulturell offen“, sagt Landrat Markus Ramers, der zugleich betont: „Ein solches Projekt kann und darf keine einmalige Aktion bleiben.“ Die erste Rekrutierungsrunde sei ein wichtiger Einstieg – aber sie könne den strukturellen Fachkräftemangel nicht auf Dauer lösen. „Ein solches Projekt kann keine Einzelmaßnahme bleiben. Eine Rekrutierungsrunde allein kann den Mangel nicht auffangen.“
Denn gute Pflege brauche nicht nur Menschen – sie benötige auch Planung, Verlässlichkeit sowie politische und unternehmerische Weitsicht. Daher wolle man das Projekt konsequent weiterentwickeln, da dies einer der wenigen Bausteine sei, um die pflegerische Versorgung im Kreis Euskirchen heute wie zukünftig zu sichern. „Die ersten Erfahrungen zeigen: Der Weg ist richtig – jetzt gilt es, ihn konsequent weiterzugehen“, so Landrat Ramers.
FOTO:Landrat Markus Ramers (Mitte), Geschäftsbereichsleiterin Birgit Wonneberger-Wrede (2.v.l.) und Projektmanagerin Sabine Engisch (3.v.r.) begrüßten die fünf Pflegekräfte aus Indien im Kreishaus Euskirchen. Weitere 28 Pflegekräfte aus Indien werden in den nächsten Wochen und Monaten folgen. Foto: W. Andres / Kreis EU