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Rubrikillustration Wirtschaft
Karte - Euskirchen

Made im Kreis Euskirchen

Der Kölner Stadt-Anzeiger und die Kölnische Rundschau haben in einer Serie Firmen aus dem Kreis Euskirchen vorgestellt, die auf ihrem Gebiet Weltmarktführer sind.

Rundum-sorglos für Babys Allerwertesten

Ingenieurin Nancy Eckmann, Operation Department Leader im Pampers Modul, präsentiert die neuen Pampers Magical Pods | Foto: © P&G Großbildansicht

Procter & Gamble Manufacturing GmbH forscht, entwickelt und produziert Windeln zum Wohlfühlen

Schwups, weg ist es. Das Wasser verschwindet augenblicklich von der Bildfläche. Ein ganzes Glas voll - das soll ein neuer Erdenbürger erst mal nachmachen - "versteckt" sich bis auf den letzten Tropfen im Saugkern der neuen Pampers mit drei absorbierenden Kanälen. Jahrelang wurde bei Procter & Gamble geforscht und entwickelt, um die Windel, eines der vielen weltweit bekannten Produkte des Unternehmens, weiter zu verbessern. "Unser Ziel ist es, eine immer bessere Qualität zu erreichen und gleichzeitig die Wünsche unserer Kunden zu berücksichtigen", erzählt Gabriele Jonas-Jankowski. Die Windel soll nicht nur saugfähig und auslaufsicher sein, sie soll auch hervorragend sitzen, dem Baby die Möglichkeit geben sich frei zu bewegen und sich gut anfühlen.

Die Geschichte der Pampers Höschenwindel beginnt in Amerika in den 1950er Jahren, als Victor Mills beim Wickeln seiner Enkelkinder nach einer Alternative zur Stoffwindel sucht. Die weiße, gerade geschnittene Einlage mit spezieller Falttechnik, die der Chemieingenieur bei Procter & Gamble daraufhin für seine Nachkommen entwickelte, hat sich in den letzten sechs Jahrzehnten nicht nur in ihrer Form und Haptik, sondern auch in ihrer Funktionsweise immer weiter verändert.

"Die Herstellung von Windeln ist für viele Ingenieure auf den ersten Blick oft nicht «sexy» genug", berichtet Jonas-Jankowski augenzwinkernd. "Dabei gehört bei uns nicht nur die Entwicklung der Windel, sondern auch die Entwicklung der Technik zur Herstellung zu den Aufgaben." Ein Blick in die Fertigung macht deutlich: Das ist kein Pappenstiel! Über 30 verschiedene Materialien wie Polyacrylat, Elastomere, Vliese u.ä. werden an den Produktionslinien in Form geschnitten, konfektioniert, verleimt und gepresst. Schon wenige Sekunden später schießen die einzelnen Windeln mit einer Geschwindigkeit, die das Auge nicht erfassen kann, in den automatisierten Verpackungsbereich. Wie genau die speziellen Saugkörper in die drei absorbierenden Kanäle, die als neuste Entwicklung Flüssigkeit besonders schnell und gleichmäßig aufnehmen, gefüllt werden, bleibt auf dem etwa 30 Meter langen Weg der Serienfertigung ein Geheimnis. "Wir haben bei unseren Produkten die Nase vorn", verweist Jonas-Jankowski auf die vielen Richtlinien, die nicht nur die Sicherheit der Mitarbeiter und die Hygiene der Produkte regeln, sondern auch die Verschwiegenheit.

Um den hohen Anforderungen gerecht zu werden, gibt es neben den Produktionsbereichen für Windeln und Feuchttücher am Standort Euskirchen eine Abteilung für Forschung und Entwicklung. "Wir arbeiten eng mit der Hochschule RWTH in Aachen zusammen", informiert Jonas-Jankowski, die seit 20 Jahren für die Bereiche Personalwesen und Öffentlichkeitsarbeit tätig ist. "Insgesamt ist der Anspruch an die Mitarbeiter immer weiter gewachsen." Neben Schulung und Ausbildung ist ein umfangreiches Training daher Pflichtprogramm. "Viele unserer Produktionsanlagen sind so auf dem freien Markt nicht zu bekommen", ergänzt die Bad Münstereifelerin.

Auch das Wohlbefinden der Mitarbeiter kommt bei dem Unternehmen im Industriepark Silberberg nicht zu kurz. Bepflanzte Außerbereiche mit Sitzgelegenheit geben ebenso die Möglichkeit für eine kurze Auszeit, wie die Cafeteria, die rund um die Uhr für alle drei Schichten warmes Essen anbietet. Auf dem Fitnesspfad gibt es die Möglichkeit, dem sogenannten "Suppenkoma" aktiv entgegenzuwirken. Zusätzlich stehen den Mitarbeitern mit dem Employee Assistance Program (EAP) geschulte Experten in beruflichen, gesundheitlichen oder privaten Krisenzeiten zur Seite, um sie aufzufangen. "Wir pflegen ein langes Verhältnis mit den Mitarbeitern und geben zur Unterstützung im Notfall Werkzeuge an die Hand", so Jonas-Jankowski, die in Mainz "Angewandte Sprachwissenschaften" studiert hat.

Auch die Verbraucher haben bei Procter & Gamble mitzureden. Am deutschen Hauptsitz in Schwalbach testen jede Woche bis zu 1000 Eltern die Windeln. Die neuste Pampers Windel wurde in 40 Verbraucherstudien weltweit von rund 10.000 Eltern und ihren Babys getestet.

Historie
Der englische Kerzenzieher William Procter (1801-1884) und der irische Seifensieder James Gamble (1803-1891) kamen als Auswanderer in die Vereinigten Staaten von Amerika. Ihre Wege kreuzten sich dort, als sie durch ihre Eheschließungen zu Schwägern wurden. Mit der Zusammenlegung ihrer beiden Geschäftszweige wurde 1837 in Cincinnati der Grundstein für die Procter & Gamble Manufacturing GmbH gelegt. Mit einer Prägung, mit der die Seifen der beiden Unternehmer von allen anderen Herstellern auf den ersten Blick zu unterscheiden waren, gingen sie auch innovative Wege in Sache Marketing, die bis heute Bestand haben.

In einem kleinen Frankfurter Büro startete mit nur wenigen Mitarbeitern 1960 P&G in Deutschland. Die Seife Camay und der pulverförmige Haushaltsreiniger Fairy sind die ersten P&G-Produkte, die den deutschen Markt eroberten. Die Produktpalette wuchs kontinuierlich weiter. 1968 wird die Dresdnerin Johanna König als patent-pfiffige Klementine zum Aushängeschild für das Waschmittel Ariel und mit ihrem Schlachtruf "Nicht nur sauber, sondern rein!" zu einer Kultfigur des bundesdeutschen Werbefernsehens. 1970 zieht die Hauptverwaltung von Frankfurt nach Schwalbach am Taunus.

Nach dem Testmarkt für die Höschenwindel Pampers erfolgt im September 1973 die bundesweite Einführung. Um die Nachfrage nach Pampers in der Bundesrepublik befriedigen zu können, eröffnet Procter & Gamble in Euskirchen das erste deutsche Windelwerk. Mittlerweile gibt es in Deutschland 14 Standorte, die Marken wie Always®, Gillette®, Braun®, Oral-B® oder Wick® produzieren.

Das P&G Werk in Euskirchen
P&G war 1974 das erste Unternehmen, das sich im Industriepark Silberberg ansiedelte. "Euskirchen war von seiner Verkehrsanbindung ideal. Autobahnen, Flughäfen, Schienenverkehr oder Häfen sind von hier schnell zu erreichen", erzählt Jonas-Jankowski. "Außerdem hatte man hier genug Platz für einen neuen Standort in Deutschland." Bevor dort die Produktion der Windel 1976 startete, wurde in Roitzheim eine Testlinie für die Einstellungskampagne errichtet, um die Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Berufen entsprechend zu schulen. 1999 erfolgte der Produktionsstart der Pampers Feuchttücher. Seit 2001 ist an der Procter & Gamble Straße ein riesiges Distributionszentrum angesiedelt. Das DACH-Logistikzentrum mit seinen 30 Meter hohen Regalen ist das höchste Gebäude am Standort. Hier lagern die meisten Produkte zur Verteilung an den Handel in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das regionale Distributionszentrum für Papierprodukte liefert Pampers in ca. 80 Länder und das DACH-Logistikzentrum versorgt alle deutschsprachigen Länder mit P&G Produkten. Durch den zentralen Versand werden die LKWs optimal ausgelastet auf die Reise geschickt. Heute sind 101.000 qm des gesamten Grundstücks von 611.412 qm bebaut.

Euskirchen ist globaler Entwicklungsstandort für innovative Windelprodukte und -technologie. Dabei spielt Nachwuchsförderung eine große Rolle. Derzeit erlernen in Euskirchen 22 Auszubildende den Beruf des Mechatronikers oder des Maschinen- und Anlagenführers.

Dass das Wohlbefinden der Mitarbeiter großgeschrieben wird, bestätigte 2011 der Gesundheitspreis des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung. Seit 2013 ist das P&G Energiemanagementsystem durch den TÜV Rheinland nach ISO 50001 zertifiziert.

Dagmar Grömping / TAE GmbH Technik-Agentur Euskirchen
August 2016

Faszination unterm Paradies

Bert Mobers kontrolliert einen der riesigen Filter, die im Palmenparadies für ungetrübtes Badevergnügen sorgen. | Foto: © Dagmar Grömping Großbildansicht
Bert Mobers und seine Kollegen sorgen in der Thermen & Badewelt Euskirchen für eine ungetrübtes Vergnügen unter Palmen
"Was hat er denn?", fragt Bert Mobers fast schon liebevoll in den Raum hinein, als eine der vielen Signallampen aufleuchtet. Es ist einer der Filter, der "meckert". Mit seinen 210 Kubikmeter Fassungsvermögen steht dieser in Reih und Glied mit seinen 14 Kumpanen" und sorgt rund um die Uhr dafür, dass den Besuchern der Thermen & Badewelt in Euskirchen ein im wahrsten Sinne des Wortes ungetrübtes Vergnügen beschert wird.

"Pro Badegast werden den Becken stündlich 30 bis 35 Liter Frischwasser zugeführt", erklärt Mobers. Der 48-Jährige begann seinen Job im September 2014 bereits lange vor der Eröffnung und kennt daher nicht nur oberirdisch jede Ecke und jeden Winkel der 115.000 Quadratmeter großen Anlage. Denn das Reich, in dem er mit seinen Kollegen Sven Natrop, Achim Hornstein, Gerd Jänicke, und Stefan Haus für einen reibungslosen Lauf der Technik sorgt, befindet sich versteckt unter Vitaltherme, Sauna und Palmenparadies. Behältnisse unterschiedlichster Ausführungen und Größen, Rohre, Leitungen, Hebel und Knöpfe wo das Auge hinsieht vereinen sich hier mit Betonbauten, die den über 500 Palmen der paradiesischen Oase ein standfestes Zuhause geben. Für den Weg durch dieses riesige Labyrinth ist nicht nur ein guter Orientierungssinn hilfreich, sondern auch das Talent einer Schildkröte, den Kopf im richtigen Moment einzuziehen.

"Mit Schwimmbadtechnik hatte ich ursprünglich gar nichts zu tun", erzählt Mobers, der seine Ausbildung und sein Diplom im Sanitärbereich absolviert hat. "Als ich angefangen habe, war hier eine riesige Baustelle und ich habe den Installateuren Löcher in den Bauch gefragt", erinnert sich Mobers an die Anfänge. Heute sorgt er dafür, dass der PH-Wert des Wassers neutral bleibt, reguliert zur Chlorherstellung das richtige Mischverhältnis aus Salz, Lauge und manchmal auch einem winzigen Schuss Schwefelsäure, kontrolliert über Monitore den automatisierten Reinigungsprozess des Rücklaufwassers oder entfernt Blätter aus den Filtersieben.

Gerade kontrolliert Mobers ein System mit fünf Kreisläufen. Mit einer Temperatur von 14 Grad fließt das Wasser in die Leitungen und sorgt so für die Fußbodenkühlung der Wiener Kaffeehaus Sauna. Nebenan reguliert die Lüftungsanlage "SL 24" die Temperatur der maurisch gestalteten Alhambra Sauna bei konstanten 65 Grad Celsius. Das Meersalz für das Mineralbecken, in dem die Gäste Schwerelosigkeit und Entspannung genießen können, wird im unterirdischen Territorium in einem riesigen Kessel angerührt. Auch der "Eifel-Nebel" für das kreislaufschonende Dampfbad, in dem die Besucher des Palmenparadieses eine Kombination aus Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit genießen können, wird hier auf den Weg gebracht.

An anderer Stelle erinnert der Spülwasserbehälter an eine riesige Waschmaschine. Bevor das abgewalzte Wasser der Erft, und somit dem natürlichen Kreislauf, zugeführt wird, legt es im Beruhigungsbad für einen weiteren Reinigungsprozess eine Pause ein. "Die Vorgabe für die Wasserrückführung liegt bei höchstens 0,03 mg Chlor pro Liter. Wir liegen bei null Komma null, so gut arbeiten unsere Filter", verdeutlicht Mobers, der trotz automatisiertem Warnsystem die Werte gerne mit eigenen Augen im Blick behält. An einem kleinen Tisch am Eingang, der in der Welt der hochentwickelten Technik aus dem Rahmen fällt, wird die Wasserqualität regelmäßig per Hand kontrolliert.

Hunderte runde Betonelemente, die mit Nummern wie B402 oder C307 beschriftet sind, verteilen sich kreuz und quer über das 5.000 m² Areal im Keller. Darin ist je eine der über 500 Palmen, die aus Florida, Costa Rica und Thailand ihren Weg nach Euskirchen gefunden haben, verwurzelt. Ganz individuell werden die empfindlichen Gewächse mit einem ausgetüftelten Drainage-, Wässerungs- und Lüftungssystem versorgt. Aber auch hier geht es nicht ohne Manpower: "Palmendoktor" Jens Boymann ist täglich zur Stelle, um nach dem Rechten zu sehen.

Hinter den Kulissen:
Nicht nur die Techniker sorgen hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf. Marketingleitung Kirstin Wermter und das Marketingteam, bestehend aus Lisa Zimmer, Angelina Hoppe, Claudia Hackl und Janina Stach, nehmen u. a. Eventwerbung, Gewinnspiele oder Kooperationen mit anderen Unternehmen von der Idee über die Planung bis zur Durchführung in die Hand. "Die Grenzen für solche Aktionen sind immer offen", erklärt Wermter, die die ersten Arbeitstage noch im Baucontainer verbrachte. "Hoffentlich verlaufe ich mich nicht", war damals ihre Sorge, als sie Interessenten, Medienvertreter oder Fremdfirmen durch die Baustelle führte. "Als am Eröffnungstag die ersten Gäste zur Tür reinkamen, war das ein richtiges Gänsehautfeeling", erinnert sich Wermter, die trotz des mittlerweile routinierten Tagesablaufs der Thermen & Badewelt die große Vielfalt ihres Arbeitsplatzes schätzt.

Sarah Messerich ist tatsächlich die Frau der ersten Stunde, die seit dem Richtfest im August 2014 als Assistentin die Geschäftsleitung unterstützt. Seither ist die Mannschaft auf 84 Mitarbeiter angewachsen. Am Empfang, in der Verwaltung oder in der Buchhaltung steht das rund-um-sorglos Wohlbefinden der Gäste ebenso im Focus wie bei der Gästebetreuung im Bäder- und Thermenbereich. Egal ob Bademeister, Animateure oder Verwaltungsangestellte, Erste Hilfe Schulungen, Beschwerdemanagement und Brandschutzrichtlinien gehören zum "Werkzeug" der gesamten Belegschaft.

Zusätzlich sorgen Fremdfirmen für das leibliche Wohl an den Bars und in den Restaurants oder reinigen in den Nachtstunden die gesamte Anlage für die Besucher am nächsten Tag.

Fakten:
Seit der Eröffnung am 18. Dezember 2015 haben mehrere 100.000 Gäste die verschiedenen Themenbereiche der Wellnessoase besucht. Etwa 40.000.000 Liter Wasser werden in der Thermen & Badewelt Euskirchen täglich gefiltert und gereinigt. Für den ungetrübten Badespaß werden in 24 Stunden rund 150 Kubikmeter Wasser in den Becken ausgetauscht und 500 Liter Chlorbleichlauge eingesetzt. Die benötigte Energie von rund 120.000 Kilowattstunden pro Tag bezieht das Palmenparadies aus einem eigenen Blockheizkraftwerk, das mit Erdgas betrieben wird. Damit das Mineralbecken "Totes-Meer" seinem Namen alle Ehre macht, sind täglich 300 Kilogramm Salz erforderlich.

Dagmar Grömping / TAE GmbH Technik-Agentur Euskirchen
Juli 2016

Energiewende nicht lange herbeireden, sondern einfach umsetzen

Martin Kronstedt demonstriert an einem seiner Testgeräte, wie schnell sich das Wasser in den Röhrenkollektoren erhitzt | Foto: © Dagmar Grömping Großbildansicht
Für die D&K Solar GmbH steht effiziente Energiegewinnung bei jedem Wetter und Nachhaltigkeit im Fokus ihrer Produkte
Erstmal geht es um die Wurst. Das Grillgut liegt in einem röhrenartigen Gefäß und erinnert eher an eine kernspintomographische Untersuchung, als ein Experiment mit Sonnenenergie. In dem Solarkollektor soll das Brät in der Pelle nicht nur gebräunt, sondern auch gar werden. "Ich verleihe die Testgeräte gerne an Unentschlossene und Skeptiker", erklärt Martin Kronstedt. Der gelernte Maschinenschlosser für Automationsanlagenbau setzt seit über 30 Jahren auf die Energie des etwa 150 Millionen Kilometer entfernten Sterns. "Die Technik der Solarthermie wurde bereits im 18. Jahrhundert genutzt", so der 58-Jährige, der 2006 mit seiner Firma D&K Solar in ein ehemaliges Autohaus an der Bergheimer Straße eingezogen ist und mittlerweile weltweit Kunden betreut. "Warum also auf die Politik warten? Jeder kann bereits jetzt seine eigene Energiewende in die Tat umsetzen und bis zu 90 Prozent Kosten einsparen".

Getreu dem Motto "Learning by Doing" tüftelte der Autodidakt in den Anfängen mit einem Bausatz. "Mir ist es wichtig, nicht nur die Energie effizient zu nutzen, sondern auch nachhaltige Produkte mit einer langen Lebensdauer zu bauen", erläutert Kronstedt, der den nächsten Generationen etwas mit Bestand hinterlassen möchte. "Ich möchte etwas herstellen, das in hundert Jahren auch noch läuft.

In Zülpich-Bessenich bestückte Kronstedt in den 1990er Jahren zwei Häuser mit Solarthermie-Anlagen. Auf dem einen Dach installierte er CPC-Kollektoren, auf dem anderen Flachkollektoren. Die Ergebnisse, die am 15. Dezember 1999 bei null Grad Außentemperatur und diffusem Licht gemessen wurden, ließen den Zülpicher rätseln: Die Flachkollektoren erreichten bei weitem nicht die Werte der Röhrenkollektoren. "Dabei waren beide Systeme laut Hersteller und Technischem Überwachungsverein in ihrer Nutzleistung gleichgestellt. Vom TÜV bekam ich die Antwort, dass dort nur bei voller Sonne getestet würde", erinnert sich Kronstedt. "Sonne kann jeder! Ich möchte bei schlechtem, kaltem Wetter die Heizung und warmes Wasser nutzen und Kosten einsparen", lautete sein Fazit aus den Erfahrungen des Geschäftsführers.

Ebenso wie bei der Wurst, die sowohl von der zehn- als auch von der zwölfjährigen Testesserin als "besonders delikat" bezeichnet wurde, setzt Kronstedt auf Experimente. Auf dem Außengelände der Firma D&K Solar GmbH in Zülpich stehen unterschiedlichste Messstationen. Ob heißes Wasser für den Kaffee oder Strom für das Elektroauto, kontinuierlich wird bei D&K Solar an der Weiterentwicklung der Kollektoren aus eigener Herstellung gearbeitet. Neben den CPC- Vakuum-Röhren Kollektoren "Gravitation" mit Solarflüssigkeit, die seit 2008 auf dem Markt sind, hat die Firma 2013 den CPC-Vakuum-Röhren-Kollektor "Air" entwickelt, bei dem auf zirkulierende Flüssigkeit verzichtet wurde.

"Wir sind weltweit der einzige Anbieter mit geschweißtem Edelstahlregister", betont Kronstedt. "Zur Erhöhung der Stabilität und einer längeren wartungsfreien Haltbarkeit verwenden wir eloxiertes Aluminium, Edelstahl und Glas", untermauert der Fachmann, der für seine Anlagen 25 Jahre Leistungsgarantie gibt, seine Aussage. Und für den Fall, dass eine der Vakuumröhren, die ähnlich einer Thermoskanne aufgebaut sind, kaputt geht, ist ein einfacher und unkomplizierter Austausch möglich. Gerade erst hat Kronstedt von einer Anlage, die er in Kanada installiert hat, eine positive Rückmeldung bekommen: Bei minus 40 Grad Celsius Außentemperatur hat die Solarthermie auch bei diffusem Licht eine Vorlauftemperatur von 70 Grad Celsius erreicht.

"Dank Solarthermie und Photovoltaik sind wir hundert Prozent autark und haben die Strom- und Heizkosten der Firma mittlerweile auf null gesetzt", freut sich Kronstedt über die jährlichen Ersparnisse im vierstelligen Bereich. "Auch die Betriebsfahrten werden mit unseren Elektroautos zu einer kostengünstigen Angelegenheit. Derzeit plant Kronstedt die Installation einer öffentlichen Ladeadestation für Elektroautos auf seinem Gelände. "Außerdem werden wir mit einer Solarthermieanlage Kaffee für die Kunden anbieten. Die Genehmigungen liegen dazu bereits vor."

"Gerade jetzt sind Zinsen und Förderungen für eine Investition in die Zukunft, die zudem auf lange Sicht Kosten spart, günstig. Da ist es schade, dass nicht mehr Menschen diese Formen der Energie nutzen", findet Kronstedt. Um seine Mitmenschen für seine Ideologie, tatkräftig die Energiewende herbeizuführen, zu begeistern, hat er sich etwas einfallen lassen: "Ich möchte eine Art Museum einrichten, in dem sich jeder sein eigenes Bild machen kann. Selbst eine Dampfmaschine aus dem Jahr 1920 habe ich schon entsprechend umgerüstet."

Fakten:
- Solarthermie oder Photovoltaik
Photovoltaik produziert Strom, Solarthermie produziert Wärme. Mit einer Photovoltaikanlage wird Strom erzeugt, den man selbst verbrauchen oder ins Stromnetz einspeisen kann. Bei der Solarthermie wird die Solarenergie direkt in Wärme umgewandelt und vor Ort genutzt. Die Wärme wird in einem Speicher zwischengelagert. Solarthermie ist technisch einfacher und hat einen höheren Wirkungsgrad.

- Maximale Energieausbeute mit Solarthermie
Der hochreflektierende witterungsbeständige CPC-Spiegel (Compound Parabolic Concentrator) hinter den Vakuumröhren gewährleistet eine maximale Energieausbeute. Der CPC-Spiegel konzentriert die Sonnenstrahlen auf die Glasröhre und den Absorber und funktioniert damit wie ein "Solar-Kraftwerk" auf dem Dach. Die CPC-Vakuumröhre besteht, ähnlich dem Aufbau einer Thermoskanne, aus einer doppelwandigen Glasröhre mit luftleerem Zwischenraum. Die Glasröhren sind am Ende miteinander verschmolzen, so dass ein Vakuumverlust ausgeschlossen wird. Das innere Glasrohr ist auf seiner Außenfläche mit einer modernen, hochselektiven Beschichtung versehen und dient als Absorber. Der hocheffiziente Absorber ermöglicht die Aufnahme eines hohen Anteils der Sonnenstrahlung und deren Umwandlung in Wärme. Gleichzeitig vermindert er die Emission von Wärmestrahlung.
Bei den CPC- Vakuum-Röhren Kollektoren "Gravitation" wird mit Hilfe von Wärmeleitprofilen die Wärme an das mit Wärmeträgerflüssigkeit durchströmte Edelstahlrohr übertragen. Das Vakuumprinzip bietet den Vorteil, dass die gespeicherte Wärme nicht an die Umgebung abgegeben wird. Bei den CPC- Vakuum-Röhren Kollektoren "Air" wird mit dem gleichen Prinzip die Wärme an die Luft im Edelstahlrohr abgegeben. Beide Kollektoren aus dem Hause D&K Solar sind TÜV und Solar KEYMARK zertifiziert.
Eine thermische Solaranlage besteht im Wesentlichen aus den Kollektoren, dem Wärmespeicher, dem Regler, der Pumpstation und den Rohrleitungen. Die Anzahl der Kollektoren hängt von der zu beheizenden Wohnfläche und von dem Dämm-Zustand des Gebäudes ab. Aus Erfahrung benötigt man zehn Prozent der Wohnfläche als Kollektorfläche bei schlecht gedämmten Häusern.
Die D&K Solar-Anlagen, die von der BAFA gefördert werden, müssen nicht unbedingt aus Dach montiert werden, sondern können auch an einer Fassade oder im Freigelände aufgestellt werden.

Dagmar Grömping / TAE GmbH Technik-Agentur Euskirchen
Juni 2016

Mit kleinsten Bausteinen der Materie auf Weltraumkurs

Dr. Stefan Metzger erläutert die Strahlungs-Abschirmung für eine Cobalt-60 Quelle, die am Institut zu Demonstrationszwecken ausgestellt ist | Foto: © Dagmar Grömping Großbildansicht

Das Fraunhofer INT forscht sowohl in irdischen als auch außerirdischen Sphären

"Betreten nur mit Genehmigung des Strahlenschutzbeauftragten gestattet", lautet der Warnhinweis in der Experimentierhalle des Fraunhofer INT. Das Schild hängt an der zwei Meter dicken Betonwand eines abgeschirmten Bereiches, in dem die Wissenschaftler des Institutes Experimente mit radioaktiver Strahlung durchführen. Unzählige Monitore, Schalter und Messgeräte lassen zudem erahnen, dass ein falscher Handgriff umgehend Alarmglocken aufheulen lassen wird. Umgeben von einem hohen Zaun wirkt das "Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen" (INT) der Fraunhofer-Gesellschaft, das seit 1977 am Appelsgarten in Euskirchen sein Zuhause hat, bereits von außen wie eine geheimnisumwobene Welt.

Eher unscheinbar wirkt auf dem Gelände dagegen der grau-blaue PKW-Kombi mit dem außergewöhnlichen Namen DeGeN (Detektion von Gamma einschließlich Neutronen). Seine Aufgabenbereiche, zu denen die Prävention oder frühzeitige Aufdeckung von terroristischen Aktionen zählt, haben es, wie der Wagen selbst, jedoch in sich: Im Inneren des Fahrzeugs befinden sich sogenannte "Slab-Counter", die mit Helium-3-Gas gefüllte Zählrohre enthalten und über eine Kernreaktion einen Neutronennachweis ermöglichen, sowie Szintillationsdetektoren, die Gammastrahlen detektieren. Damit kann das Fahrzeug radioaktives und nukleares Material aufspüren und identifizieren, während es zum Beispiel durch eine Innenstadt gefahren wird.

DeGeN gehört zu den experimentellen und theoretischen Forschungen aus dem Geschäftsfeld "Nukleare Sicherheitspolitik und Detektionsverfahren" (NSD), die in der "Abteilung Nukleare und Elektromagnetische Effekte" (NE) genauso unter die Lupe genommen werden wie "Elektromagnetische Effekte und Bedrohungen" (EME) oder "Nukleare Effekte in Elektronik und Optik" (NEO). Dazu besitzt das Institut europaweit die umfassendste Ausstattung, um alle relevanten Strahlungsumgebungen für die Untersuchung elektronischer Komponenten zu erzeugen. Gamma Bestrahlungseinrichtungen, Neutronengeneratoren, eine Röntgenblitzanlage, ein Sonnensimulator oder eine Modenverwirbelungskammer sind nur einige Beispiele der "Wissenschaftlich-technischen Infrastruktur" (WTI). Mit diesem Equipment testen die Mitarbeiter Smartphones und Tablets ebenso wie Satelliten-Bauteile in anderen Sphären auf ihre Beeinflussbarkeit und Verwundbarkeit durch hochenergetische Strahlen von der Sonne oder aus den Tiefen des Weltalls.

"Unsere Testreihe mit Smartphones ergab, dass bei einer Bestrahlung mit Hochfrequenzfeldstärken eine Bedienung über Touchscreen nicht mehr möglich ist und sogar zufällig Funktionen ausgelöst und Einstellungen verändert werden", berichtet Dr. Stefan Metzger. "Derzeit testen wir die Auswirkung von elektromagnetischer Strahlung im Bereich Smart Grids", verrät der 52-Jährige, der seit September 2014 die Abteilung "NE" leitet. "Dazu untersuchen wir, wie intelligente Stromnetze auf unterschiedliche Strahlungsarten reagieren, wie ihre Funktionsfähigkeiten geschützt und inwieweit Systeme durch Strahlung manipuliert werden können", erklärt der Physiker, der bereits seit zwei Jahrzehnten für das Institut arbeitet.

"Der eine oder andere von uns wirkt vielleicht ein wenig seltsam, das hat aber nichts mit Strahlung zu tun", versichert Dr. René Bantes augenzwinkernd und lässt keinen Zweifel daran, dass trotz der Forschung mit Teilchen und Wellen keine Gefahr für Mitarbeiter oder Besucher besteht. Der 46-Jährige, der gebürtig aus Lommersum stammt, ist verantwortlich für die Abteilung "Technologieanalysen und strategische Planung" (TASP) und wirft damit seinen Blick in die Zukunft. "Die zunehmende Technisierung des wirtschaftlichen und öffentlichen Raums und die steigende Komplexität dieser Systeme werfen immer neue Fragen auf", erläutert der Physiker. "Gleichzeitig steigt der Anspruch an Sicherheit, Produktivität und Flexibilität." Besonders kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fehlt es oft an den nötigen Ressourcen, hier zukunftsorientierte Prozesse in Gang zu setzen. "Welche Strategie ist die richtige oder wann ist die Zeit reif für einen Innovationsschritt?", sind Fragen, die bei der Auswahl, Planung und Implementierung neuer Technologien Kopfzerbrechen bereiten. "Wir wenden auf dem Fundament breit aufgestellter wissenschaftlicher Expertise ein weitgefächertes Portfolio an Verfahren und Methoden auf wissenschaftlichem Spitzenniveau an", versichert Bantes, der mit seinem Team von der technologischen Frühaufklärung über das Planungs-Monitoring bis hin zur Ablösung überholter Techniken alle Phasen des Technologie-Lebenszyklus abdeckt.

Ihren Namen verdankt die Fraunhofer Gesellschaft und damit auch das Fraunhofer INT Joseph von Fraunhofer (1787 - 1826), der 1814 die nach ihm benannten Fraunhofer'schen Linien im Sonnenspektrum entdeckte. Doch der Optiker und Physiker war nicht nur Forscher, sondern auch Erfinder und Unternehmer. So entwickelte der Autodidakt ein neues Verfahren zur Herstellung von optischen Linsen und war Mitinhaber einer Glashütte. Mit der Verbindung von wissenschaftlicher Arbeit und praktischer Anwendung für neue innovative Produkte gilt er als Vorbild für die Ausrichtung der Fraunhofer Gesellschaft, die 1949 in München gegründet wurde und seit 1952 eine Säule in der außeruniversitären deutschen Forschungslandschaft ausmacht. Heute deckt die Fraunhofer Gesellschaft, die mit 67 Instituten und Forschungseinheiten die größte Organisation für angewandte Forschung in Europa ist, die Bereiche Gesundheit und Umwelt, Kommunikation und Information, Mobilität und Verkehr, Energie und Ressourcen, Produktion und Dienstleistungen und Schutz und Sicherheit ab.

Das Euskirchener Institut ist hervorgegangen aus dem Institut für Strahlenschutz der Uni Kiel und wurde 1974 in die Fraunhofer Gesellschaft aufgenommen. Von den rund 110 Mitarbeitern, die in Euskirchen unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Michael Lauster arbeiten, sind 50 Wissenschaftler in den beiden Abteilungen "Nukleare und elektromagnetische Effekte" (NE) und "Technologieanalysen und strategische Planung" (TASP) tätig. Nationale und internationale zivile öffentliche Auftraggeber und Unternehmen jeder Größenordnung beauftragen das INT ebenso, wie das Bundesministerium für Verteidigung, für das das Institut seit über 40 Jahren ein verlässlicher Partner ist. Außerdem ist das Institut Mitglied im Verbund Verteidigungs- und Sicherheitsforschung VVS der Fraunhofer-Gesellschaft.

Seit 2010 wird am Appelsgarten beinahe ununterbrochen neu- und umgebaut. Mit der Errichtung eines Bürogebäudes, der neuen Bibliothek und dem Seminarbereich wurde die Institutsfläche um etwa 1000 Quadratmeter erweitert. Die Umgestaltung des alten Gebäudebestands und die damit verbundene Neugestaltung und Modernisierung des Labortraktes läuft ebenso auf Hochtouren, wie die Bepflanzung der Grünanlage mit zahlreichen Zierapfelbäumen als Hommage an die Institutsadresse Appelsgarten 2.

Fraunhofer Space Alliance
Ob Wettervorhersage, Navigation, Direktübertragungen im Satellitenfernsehen oder globale Internetverfügbarkeit, Raumfahrt, ihre Anwendungen oder Dienste sind längst Teil des täglichen Lebens geworden. In Euskirchen befindet sich seit 2014 der Sitz der "Fraunhofer Space Alliance", in der 15 Institute ihre technologische Kompetenz aus sechs Geschäftsbereichen der Weltraumforschung bündeln. Die zahlreichen Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet fließen hier unter der Leitung von Professor Dr. Dr. Michael Lauster zusammen, so dass durch das breite Kompetenzspektrum Aufträge erfüllt werden können, die für ein einzelnes Institut zu umfangreich oder komplex wären.

Prof. Dr. Dr. Michael Lauster ist zudem Inhaber des Lehrstuhls für Technologieanalysen und -vorausschau auf dem Gebiet der Sicherheitsforschung der RWTH Aachen. Dort werden "zukünftige Ingenieure mit Verfahren und Methoden vertraut gemacht, die ihnen in ihrem Berufsleben ermöglichen, bei der Entscheidungsvorbereitung mitzuarbeiten oder die eigene Entscheidungsfindung sinnvoll zu untermauern".

Dagmar Grömping / TAE GmbH Technik-Agentur Euskirchen
April 2016

In der Textilschmiede machen Kleider Leute

Cristita Tröster (rechts) macht unter Anleitung von Bettina Bauerfeind erst Erfahrungen mit der alten Nähmaschine ihrer Schwiegermutter. | Foto: © Dagmar Grömping Großbildansicht

Bettina Bauerfeind versteht sich als Dienstleisterin für Individualität in Sachen Mode

Nettersheim. Verstürzen, paspeln, Stoffbruch, Fadenspannung oder Überwendlich-Stich gehören zu der Welt von Bettina Bauerfeind. "Für mich sind Nähen und andere textile Techniken nicht einfach nur Handarbeit, sondern Kunsthandwerk", erklärt die 40-Jährige. Die staatlich geprüfte Bekleidungstechnikerin, die sich 2007 mit der Gründung ihres Unternehmens "Textilschmiede Bauerfeind" in Nettersheim einen Traum erfüllte, ist nicht nur mit Nadel und Faden, sondern vor allem mit Leidenschaft bei der Sache. "Es gibt so viele Ideen, Techniken, Materialien und Kniffe", schwärmt Bauerfeind, die neben ihren zahlreichen Ausbildungen und Fortbildungen einen großen Erfahrungsschatz in der Bekleidungsindustrie und im Handwerk gesammelt hat.

In ihren Geschäftsräumen an der Steinfelder Straße setzt sie auf Qualität statt Quantität, fördert einen nachhaltigen Umgang mit Textilien und legt ihren Fokus auf die Individualität ihrer Zielgruppe. In ihren Nähkursen entscheiden die Teilnehmer selbst, was sie nähen möchten. Ob der passende Stoff für den ausgewählten Schnitt, die richtige Technik für die Verarbeitung, alternative Verfahren oder Gestaltungsmöglichkeiten, Bauerfeind zaubert ihren Erfahrungsschatz im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Nähkästchen. In ihrer Textilschmiede, die als Anlaufstelle den Austausch untereinander fördern soll, ermutigt sie ihre Kundschaft dazu, ihren eigenen Stil zu entdecken.

"Egal ob man nähen kann oder nicht, jeder ist hier bestens aufgehoben", meint Rita Abelein. Die Dahlemerin, die Bauerfeinds Einrichtung als "echte Bereicherung für die Region" empfindet, näht sich gerade einen Mantel mit einem aufwendigen Kapuzenkragen. Neben ihr macht Cristita Tröster, die vor einigen Jahren von den Philippinen nach Hellenthal kam, erste Erfahrungen an der alten Nähmaschine ihrer Schwiegermutter. Ob neuste Technik, in die Jahre gekommene Modelle oder die Leihmaschine, die Motoren rattern und surren an diesem Vormittag um die Wette. Mittendrin berät sich Mechthild Müller mit Bettina Bauerfeind vor dem Spiegel. Die Jacke der Dahlemerin sitzt nicht perfekt, doch eine Lösung ist schnell gefunden. "Die Kleidungsstücke werden erst etwas weiter zugeschnitten und dann am Körper der Kundin in Form gebracht", erklärt Bauerfeind. "Ich sehe sofort, ob jemand sein Kind auf der linken Hüfte getragen hat oder seine Tasche über die rechte Schulter hängt", erläutert sie und legt dank ihres geschulten Blicks bei der Anprobe Hand an. "Dann stecke ich was ab oder kürze den Saum", erklärt die gebürtige Erfstädterin, die mit wenigen Handgriffen ihre überwiegend weiblichen Kunden ins Staunen versetzt. "Für uns ist der Kurs nicht nur eine Austausch rund ums Nähen, sondern ein Ort für eine kreative Auszeit", sind sich die Teilnehmerinnen einig.

"Wer selber mal ein Kleidungsstück genäht hat, weiß, wie viel Arbeit dahinter steht", erklärt Bauerfeind, die die harten Produktionsbedingungen und den übermäßigen Einsatz von Chemikalien in einigen Unternehmen in ganz Deutschland kennengelernt hat. "Wenn ich heute die Billigware selbst bei namhaften Herstellern sehe, rieche und fühle, bin ich frustriert, was man uns da an Ware anbietet." Stundenlang könnte sie sich über Farbe, die ausgewaschen wird, Stoffe, dünn wie Papier, die kleine Löcher wie von selbst produzieren oder Seitennähte, die nach der ersten Wäsche Richtung Bauchnabel weisen, auslassen. "Ich mag es, wie man früher mit Kleidung umgegangen ist", erinnert sich Bauerfeind an ihre Urgroßmutter. "Sie war eine sehr gute Schneiderin, die im Krieg mit ihren Fähigkeiten die Familie ernährte. Aus einem Herrenanzug zauberte sie ein Damenkostüm oder Kinderkleidung und aus einem Vorhang wurde ein Abendkleid". Mit ihrem Unternehmenskonzept verfolgt Bauerfeind einen ganzheitlichen Ansatz. Stoffe und Wolle von hoher Qualität, die es nicht überall zu kaufen gibt, finden darin genauso ihren Platz wie die fachliche und modische Beratung der Kunden und der wertschätzende und nachhaltige Umgang mit Textilen.

Kontinuierlich arbeitet sie am Ausbau ihrer Textilschmiede, um in Nettersheim die Fäden aus aller Welt rund um "ihr" Handwerk zusammenlaufen zu lassen. Die eigene Fortbildung steht bei Bauerfeind ebenso auf der Prioritätenliste wie die ständige Beobachtung des internationalen textilen Marktes. "Neben Kursen, Beratung und Verkauf möchte ich in Zukunft auch eigene Schnittkonstruktionen aufbauen, Stoffe oder Wolle produzieren und Events rund ums Thema Mode veranstalten", blickt Bauerfeind, die vor Ideen nur so sprudelt, zuversichtlich in die Zukunft.

Fakten
Bettina Bauerfeind Leben ist geprägt von textilem Gestalten. Bereits als Kind entdeckte sie ihre kreative Ader und ihre Leidenschaft an individueller Mode. Während ihrer Ausbildung zur Bekleidungstechnischen Assistentin, der Fortbildung zur Bekleidungstechnikerin und ihrer Beschäftigung in der Bekleidungsindustrie lernte sie auch die Schattenseite der Branche kennen. Die harten Arbeitsbedingungen, der hohe Einsatz von Chemikalien und die Massenproduktion von Billigwaren mindern laut Bauerfeind ebenso die Wertschätzung wie ungeschützte Berufsbezeichnung, mit der auch jeder Ungelernte eine Änderungsschneiderei eröffnen kann. "Zudem ist ein T-Shirt, das nur wenige Euro kostet und nach wenigen Wäschen im Müll landet, in meinen Augen zwar billig, aber nicht nachhaltig preiswert."

Ihre Arbeitgeberin in einem Maßatelier der Haute Couture ermöglichte Bauerfeind, ihre eigenen Ideen einzubringen. Mit Nähkursen und Schulprojekten, in denen sie ganze Modeschauen auf die Beine stellte, legte sie die Grundsteine für ihre Selbstständigkeit. Im Rahmen der AC² Wachstumsinitiative der Gründerregion Aachen entwickelt sie derzeit mit Michael Franssen, Technologiescout der TAE GmbH Technik-Agentur Euskirchen, umsetzungsfähige Lösungen, die in einem tragfähigem Wachstumsplan mit Maßnahmenkatalog münden.

Ihre Leidenschaft, mit der sie ihren Traum ihrer Textilschmiede lebt, ist nicht nur für Kunden und Berater ansteckend, sondern färbt auch ab: "Meine zehnjährige Tochter und mein Mann sind sehr kritisch beim Kauf von Bekleidung", verrät Bauerfeind. "Sie erkennen beide sofort, ob das Teil professionell verarbeitet wurde".

Dagmar Grömping / TAE GmbH Technik-Agentur Euskirchen
März 2016

Peter Greven Physioderm sagt berufsbedingten Hautproblemen den Kampf an

Albert Leßenich füllt Salz in den Ansatzbehälter und stellt damit die Viskosität des Produktes ein | Foto: © Dagmar Grömping Großbildansicht
Die Produktpalette des Euskirchener Unternehmens geht im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut
Mit einer Fläche von rund zwei Quadratmetern steht die Haut zwischen dem Menschen und seiner Umwelt. Sie schützt den Körper vor schädigenden Einflüssen und kommt dabei oft an ihre eigenen Grenzen. Nicht nur der direkte Kontakt zu schädlichen Stoffen spielt hier eine Rolle, sondern auch die negative Wirkung vermeintlich unbedenklicher Stoffe wie Wasser über lange Zeiträume.

"Berufliche Hautkrankheiten sind die mit Abstand häufigste Gesundheitsgefahr am Arbeitsplatz", verdeutlicht Frank Severiens, Kaufmännischer Leiter für Vertrieb und Marketing, welchen hohen Stellenwert das größte Organ des Menschen im Berufsleben einnimmt. "Das verursacht nicht nur hohe Kosten für Wirtschaft und Gesundheitswesen", ergänzt der 45-Jährige, der seit neun Jahren für die Peter Greven Physioderm GmbH tätig ist. "Neben der beruflichen Problematik erleben die Betroffenen erhebliche Einschränkungen im Alltag. Dazu kommt die entstellende Wirkung vieler Dermatosen, die zu sozialem Rückzug und Depression des Erkrankten führen kann."

Neben der dermatologischen Wirksamkeit, die in Zusammenarbeit mit Betriebsärzten und Dermatologen immer wieder dem neusten Stand der Wissenschaft angepasst wird, stellt Peter Greven Physioderm auch den praktischen Nutzen in den Fokus. Das Unternehmen verfolgt mit der realitätsnahen Wirksamkeitsprüfung einen ganzheitlichen Ansatz für den beruflichen Hautschutz, der auch Umwelt und Nachhaltigkeit berücksichtigt.

Seit 2006 produziert und vertreibt das Unternehmen in Euskirchen das Komplettprogramm zur Prävention beruflicher Hauterkrankungen. "Am Standort in Bad Münstereifel stießen wir an räumliche Grenzen", erinnert sich Werner Heiliger, der mit Peter Greven und Dr. Hermann Josef Stolz die Geschäfte des Traditionsunternehmens führt, an den Ausbau und den Umzug in den Industriepark Am Silberberg.

Auf dem mittlerweile etwa 25.000 Quadratmeter Areal füllt Albert Leßenich in der Ansatzhalle mit einer Schaufel gerade Salz in eine Mixtur, die später als mildes Waschgel Haut und Haare des Anwenders reinigen wird. "Durch die Zugabe von Salz justiere ich die Viskosität des Produktes", erklärt er dazu. Mit seiner weißen Schutzkleidung wird der Schichtführer den hohen Hygienestandards in der Produktion gerecht. "Neue Rezepturen, die im Labormaßstab entwickeln werden, zeigen in großen Maßeinheiten oft ganz andere Merkmale", weiß Leßenich, der seit 35 Jahren für die Peter Greven Gruppe arbeitet, aus Erfahrung. Teils über ein Rohrleitungssystem, teils per Hand werden die einzelnen Komponenten, ähnlich wie die Zutaten eines Backrezeptes, in große Behältern gebracht und anschließend vermengt. Bevor das fertige Produkt in der Abfüllung in Tuben, Flaschen, Kanister oder Eimer gefüllt wird, wird jeder Ansatz untersucht, pH-Wert und Viskosität ermittelt und der Wassergehalt überprüft. "Von jeder Charge wird ein Rückstellmuster zur Nachverfolgung aufbewahrt", verdeutlicht Leßenich einen Teil des Sicherheits- und Qualitätskonzeptes der Herstellung.

Vom neuen Logistikzentrum aus, das seit 2015 die Lagerkapazitäten in Euskirchen verdreifacht hat, werden die zahlreichen Hautprodukte für Schutz, Reinigung, Pflege und Desinfektion in die ganze Welt verschickt. Melany Zweiffel kann neuerdings mit Hilfe eines Fußpedals Endlospapier als umweltfreundliches Verpackungsmaterial in die Versandkartons füllen. Zweiffel, die seit 16 Jahren als Mitarbeiterin in der Logistik tätig ist, freut sich an ihrem neugestalteten Arbeitsplatz besonders über den hydraulischen Lastenarm. "Die Pakete, die gerne mal 28 Kilogramm schwer sind, kann ich jetzt ohne Kraftanstrengung von A nach B setzten", demonstriert die gebürtige Arlofferin die neue Technik, bei der ein Ansaugrohr den großen Karton wie von Zauberhand bewegt.

Mit dem Versand endet das Konzept der Peter Greven Physioderm GmbH jedoch nicht. Eine umfangreiche Beratung, welches Produkt für welchen Bereich geeignet ist, gehört ebenso zum Service, wie die Schulung der richtigen Anwendung. "Man startet mit dem Produkt am Handrücken, geht über die Fingerzwischenräume und den Handinnenbereich zu den Nägel. Erst dann wird der Rest über die komplette Hand verteilt", veranschaulicht Andreas Todtenhöfer die Vorgehensweise. Die Überzeugungsarbeit, die Mitarbeiter in den Unternehmen zu einer kontinuierlichen und richtigen Nutzung zu motivieren, steht da ganz oben auf der Liste. "Bauarbeiter zu sensibilisieren, sich als Schutz vor weißem Hautkrebs gegenseitig den Rücken einzureiben, stößt nicht unbedingt auf Gegenliebe", nennt der Marketingmanager dazu ein Beispiel. "Gerade bei den Männern ist in den letzten Jahren allgemein eine höhere Nachfrage an Beautyprodukten zu verzeichnen, was auch die Akzeptanz der Hautpflege am Arbeitsplatz erhöht", blickt der 44-Jährige, der seit 2001 zum Unternehmen gehört, dieser positiven Entwicklung entgegen.


Peter Greven Physioderm GmbH
Bereits 1923 gründete Peter Greven in Bad Münstereifel eine Seifen- und Glyzerinfabrik. Die inzwischen weltweit tätige Peter Greven Gruppe hat ihre Aktivitäten im Geschäftsfeld "beruflicher Hautschutz" mit den Marken Physioderm®, GREVEN, LINDESA® und LORDIN® seit dem Jahr 2008 in der Peter Greven Physioderm GmbH mit Sitz in Euskirchen zusammengefasst. In Euskirchen arbeiten derzeit rund 60 Mitarbeiter der insgesamt über 350 Beschäftigten innerhalb der Firmengruppe.

Hautschutz und Reinigung vor und während der Arbeit, Hautpflege und Desinfektion gehören ebenso zu den Produkten wie die zugehörigen Wandspender zur wirtschaftlichen und hygienischen Dosierung der Produkte. Die Cremes und Seifen sind nicht nur ausgerichtet auf unterschiedliche Hautbelastungen wie wasserlösliche oder nicht-wasserlösliche Arbeitsstoffe, Handschuhträger oder UV-Strahlung, sondern berücksichtigen auch den Verschmutzungsgrad. Abdruckfreies Arbeiten spielt hier ebenso eine Rolle wie lebensmittelechte Produkte speziell für den Nahrungsmittelbereich.

Ein Beispiel für die Innovationskraft des Unternehmens ist das Konzept der ACTIVE SOFT PEARLS® (ASP). Die Wachsperlen aus hydriertem Rizinusöl, die sich durch eine weiche, glatte Oberfläche auszeichnen, sind die hautschonende Alternative zu abrasiven Grobhandreinigern aus Walnussschalenmehl, Sand oder Kunststoffmehl. ASP unterstützen den Reinigungsprozess nicht wie schmirgelnde Abrasiva rein durch mechanische Reibung, sondern primär durch ihre lipophile Oberflächenstruktur, die ölige Schmutzpartikel bindet.

Mit dem Naturstoff Luteolin, der aus der Heilpflanze Reseda luteola gewonnen wird und zu den wirksamsten Antioxidantien im Pflanzenreich zählt, bietet Peter Greven Physioderm mit der Marke PROTEXSAN einen effektiven Schutz vor Arbeitsstoffen. Dabei schützt Luteolin empfindliche oder extrem beanspruchte Haut nicht nur vor freien Radikalen, sondern auch vor der Irritation durch reizende und potenziell allergene Stoffe. Außerdem wirkt Luteolin entzündungshemmend, es absorbiert UV-Strahlung und es fördert die Bildung von Collagen.

Die überlegene Schutzwirkung wurde in einem repetitiven Waschtest der Universitäts-Hautklinik Freiburg auch im Vergleich mit anderen Präparaten bestätigt. Als einziges Produkt führte PROTEXSAN während des Testzeitraums sogar zu einer Verbesserung der Hornschichtfeuchtigkeit.
 
Dagmar Grömping / TAE GmbH Technik-Agentur Euskirchen
Februar 2016

Auto Heinen macht mächtig Druck

Robert Mahlberg an einer vollautomatischen Bearbeitungslinie mit integrierter Waschung und Montage. | Foto: © Dagmar Grömping Großbildansicht

Der Zulieferer für die Automobilbranche ist spezialisiert auf Aluminiumdruckguss

Ingo Schneider bringt einen der sechs Schmelzöfen mittels Hydraulikkippmechanismus in Stellung. Die Aluminiumlegierung, die der Mitarbeiter in der Schmelze der Auto Heinen GmbH dadurch langsam durch die trichterförmige Öffnung in einen Tiegel fließen lässt, ist 820 Grad Celsius heiß. Das flüssige Metall, das je nach Mischverhältnis der einzelnen Elemente Bezeichnungen wie AISi9Cu3 oder AISi12CuNiMg trägt, transportiert Schneider anschließend mit dem Gabelstapler in die Gießerei.

Dort beginnt der nächste Prozess, Bauteile für Motoren, Getriebe, Kupplungen oder Lenkungen herzustellen. Dreizehn vollautomatische Fertigungszellen für die Kaltkammergießerei, die mit einer Schließkraft von 300 bis 1200 Tonnen arbeiten, produzieren die sogenannten Druckguss-Rohteile. Diese werden im nachfolgenden Schritt mittels Fräsen, Drehen oder Bohren behandelt. Durch diese Prozesse auf den Bearbeitungszentren entstehen funktionsgerechte Bauteile, die bei dem Kunden in weitere Verarbeitungsschritte wie Montagen, oder auch zur direkten Verwendung am Fließband, eingesetzt werden. Alle Prozesse in den Hallen an der Heinenstraße in Bad Münstereifel müssen mit absoluter Effektivität ablaufen, um im hart umkämpften Markt den hohen Anforderungen der Automobilbranche gerecht zu werden.

Die Prozedur der Kunden- und Auftragsgewinnung ist langwierig und kann sich über Jahre hinziehen. Im Idealfall ist Auto Heinen schon im Anfangsstadium, sprich in der Entwicklungsphase, mit im Boot. Dadurch ist Auto Heinen in der Lage, seine über Jahre entwickelten Kompetenzen einzubringen. Dazugehört beispielsweise das fertige Gießen von sogenannten Dichtsitzen, also Bauteile, die ohne weitere Nachbearbeitung verwendet werden können, oder das Entwickeln von automatisationsgerechtem Design. "Auch wenn mit der Einbindung in die frühe Entwicklungsphase ein gewisser Vorteil in der Auftragsgewinnung entsteht, müssen am Ende alle Zahlen detailliert offengelegt werden. Um in diesem direkten Vergleich der Inhalte des Angebots mit dem Wettbewerb auf dem Markt bestehen zu können, sind heutzutage effektive Prozesse mit höchster Produktqualität unabdingbar", erklärt Robert Mahlberg, der 1977 bei Auto Heinen seine Ausbildung zum Werkzeugmacher begann. Seitdem hat der 55-Jährige, der neben der Meisterschule auf weitere Qualifizierungen setzte, im Unternehmen verschiedene Arbeitsbereiche durchlaufen. Heute obliegt ihm im Bereich Projektmanagement die Aufgabe, potenzielle Kunden von den Produkten des Traditionsunternehmens zu überzeugen.

Dabei geht es nicht nur um Kostenminimierung, Optimierung von Werkzeugwechselzeiten oder Senkung von Fehlerquoten, sondern auch um spezielle Legierungen, die unterschiedlichsten Anforderungen gerecht werden müssen. Neben der Präzision der Gussteile, deren Maße sich im Abkühlungsprozess um 0,7 Prozent verringern, spielen auch Dichtheit, Dehnbarkeit, Verschleißfestigkeit oder Sauberkeit je nach späterem Einsatzbereich eine maßgebliche Rolle.
Die digitale Simulation der Gießprozesse zeigt vorab den Füll,- und Erstarrungsprozess, wobei die Geschwindigkeit der Berechnung dank modernster Computertechnik von 48auf ein bis zwei Stunden gesenkt werden konnte. Eingeschlossene Luftbläschen, die im Gussteil als winzige Poren zu erkennen sind, können ebenso zum Ausschluss des Produkts führen, wie Schmutzpartikel, die in ihrer Größe vergleichbar sind mit dem Durchmesser eines Haares. Bevor die Waschanlagen in mehreren Durchgängen diese Mikroteilchen entfernen, werden Gewinde oder Zahnungen gedreht oder gefräst, oder, je nach Auftrag, weitere Komponenten moniert.

"Jeder hat Kunden, egal auf welcher Position jemand im Unternehmen steht", verdeutlicht Mahlberg die Verantwortung des Einzelnen, den hohen Qualitätsstandard zu gewährleisten. Vollautomatisch Bearbeitungslinien, in denen Roboter die Zentrierplatten für Acht-Gang-Getriebe oder Trägerteile für Cabriosicherheitsbügel in die Bearbeitungsmaschinen einlegen, in neuer Spannlage fixieren oder zur Kontrolle auf Porenvor Kameraobjektive halten, ersetzen immer mehr die manuelle Fertigung. "Um auf dem Weltmarkt mithalten zu können, sind Lohnkosten einfach zu teuer", erläutert Mahlberg, wie wichtig die strategische Ausrichtung des Unternehmens ist, die manuelle Fertigung immer weiter zureduzieren. "Zukünftig werden daher mehr höher qualifizierte Mitarbeiter benötigt."

Hier hat Irina Stier ihre Finger im Spiel, Weiterbildungsmaßnahmen für die Kolleginnen und Kollegen zu organisieren. Die 27-Jährige, die 2007 bei Auto Heinen ihre Ausbildung zur Industriekauffrau begann, ist heute in der Personalentwicklung tätig. "Es wird im Unternehmen offen kommuniziert, dass auf dem Weg zur Automatisierung eine berufliche Weiterentwickelung für viele Mitarbeiter unumgänglich wird", berichtet Stier, die Mitte der 1990er Jahre als Siebenjährige mit ihrer Familie aus Kasachstan nach Euskirchen kam. "Da ist jeder auch selbst gefragt, sich auf diese Veränderungen einzulassen", bestätigt Mahlberg, der aufgrund seines eigenen beruflichen Werdegangs bei Auto Heinen aus Erfahrung spricht.

Auto Heinen bildet zudem in verschiedenen Fachbereichen selber aus, um selber die Grundlage für qualifiziertes Personal zu setzen. Zu den Ausbildungsberufen zählen Elektroniker, Mechatroniker, Werkzeugmechaniker, Zerspanungsmechaniker, Industriemechaniker, Gießereimechaniker und Industriekaufleute. Alex Moser, der seine Ausbildung als Landesbester für NRW als Gießereimechaniker, Fachrichtung Druck- und Kokillenguss, im November 2015 abgeschlossen hat und von der Industrie- und Handelskammer für seine herausragende Leistung geehrt wurde, bestätigt die qualifizierte und gute Ausbildung bei Auto Heinen.

Auto Heinen GmbH
Den Grundstein für das Unternehmen legte der Ingenieur Heinrich Heinen 1933. Als Mitarbeiter der Ford-Werke begann er in seiner Garage, Komponenten für den Autohersteller zu fertigen. Zunächst als Zylinderschleiferei gegründet. Nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen in Bad Münstereifel als Zerspanungsbetrieb neu aufgebaut. Die Erweiterung der Produktpalette auf Druckgussteile erfolgte 1969. Die kombinierte Zink-Aluminiumgießerei wurde nach und nach und mit dem Umzug von Euskirchen nach Bad Münstereifel auf die Aluminiumgießerei umgestellt.

Nach wie vor war Ford der Hauptkunde des Unternehmens. Eine neue Produktion und die damit verbundene Gründung eines Werks in Spanien brachte das Unternehmen ins Trudeln. 2009 musste Auto Heinen Insolvenz anmelden. 2010 übernahmen die Brüder Theodor und Meinrad Scherer aus Brixen die Führung in der Heinenstraße. "Heute steht kaum noch etwas da, wo es vorher stand", erinnert sich Robert Mahlberg an die erste Zeit unter neuer Leitung. Mit der räumlichen Umstrukturierung nach Lean Grundsätzen wurden nicht nur bessere und kürze Kommunikationswege geschaffen, sondern auch die Automatisierung immer weiter auf den Weg gebracht.
Heute werden alle Prozesse nach dem Auto Heinen Produktionssystem, welches von dem Toyota Produktionssystem abgeleitet ist, abgearbeitet.

Heute gehört Auto Heinen zur Scherer Group, die sechs Unternehmen aus den Bereichen Kunststoff- und Aluminiumverarbeitung sowie Software-Entwicklung umfasst. In Bad Münstereifel ist neuerdings neben Dr. Theodor Scherer der bisherige Werksleiter Daniel Adams als Geschäftsführer für die 230 Mitarbeiter verantwortlich, die in den Bereichen Verwaltung, Entwicklung, Druckguss, Werkzeugbau, Zerspanung oder Montage am Erfolg des Unternehmens mitwirken.

Auto Heinen ist zu 99 Prozent als Zulieferer für die Automobilbranche tätig. Um dem Bedarf der Kunden optimal gerecht werden zu können, hat Auto Heinen aktuell drei Aluminium-Magnesium-Legierungen und sechs Aluminium-Silizium-Legierungen im Portfolio. Neben dem Auftraggeber Ford, für den Auto Heinen seit 1998 als "Q1-Lieferant" direkt ans Band liefert, gehören Daimler, Jaguar Land Rover, Austin Martin oder die ZF Friedrichshafen AG zu den langjährigen Kunden, für die in diesem Jahr etwa 2800 Tonnen der insgesamt neun Aluminiumlegierungen verarbeitet wurden.

Dagmar Grömping / TAE GmbH Technik-Agentur Euskirchen
Dezember 2015

In Obergartzem geht es heiß her - Beroa NovoCos

Werner Steinheimer (links) und André Groß zeigen eine wassergekühlte Schweißmaschine mit einer "kleinen" Lanze. Werner Steinheimer (links) und André Groß zeigen eine wassergekühlte Schweißmaschine mit einer "kleinen" Lanze. | Foto: © Dagmar Grömping Großbildansicht

Die Firma Beroa NovoCos ist spezialisiert auf Feuerfestreparaturen und mit ihrem besonderen Knowhow weltweit im Einsatz

Bert Palmersheim stellt in seinem Outfit definitiv jeden Außerirdischen in den Schatten. Der Schlosser und Schweißer demonstriert gerade auf dem Gelände der Beroa NovoCos GmbH die Schutzkleidung, die bei Einsätzen des Teams für Sicherheit sorgt. Der silberbeschichtete und feuerfeste Vollanzug ist für die Mitarbeiter zwar die kleinste Herausforderung, aber lebenswichtig. Temperaturen von 1000 Grad Celsius und mehr lassen keinen Zweifel an einer schweißtreibenden Tätigkeit, die durch die Ausmaße der eingesetzten Maschinen zudem eine hohe physische Belastung bedeutet. Koks- oder Glasöfen weltweit bei laufendem Betrieb zu reparieren ist das Spezialgebiet der Firma Beroa NovoCos GmbH.

"Das Abschalten und erneute Hochfahren einer Glasschmelzwanne würde etwa vier Wochen dauern", erklärt Werner Steinheimer. "Bei einer Hohlglasproduktion von einer Million Flaschen am Tag wäre das ein Ausfall von 28 Millionen Flaschen", zeigt der Geschäftsführer die Dimensionen einer solchen Aktion auf. Daher kommt das Team des 67-Jährigen immer dann zum Einsatz, wenn eine solche Kaltreparatur keine Option ist. Auch im Notfall sind die Mitarbeiter schnell zur Stelle, um Risse oder Unebenheiten mit einer speziellen Mischung aus keramischen und metallischen Teilchen, die mit Sauerstoff auf die heiße Oberfläche projiziert wird, zu reparieren.

Mit einer wassergekühlten Diamantkettensäge werden zunächst Öffnungen in den Glasofen gesägt. Auch das Endoskop, mit dem anschließend das Innenleben Millimeter für Millimeter untersucht wird, überlebt diesen Einsatz nur dank der wasser- und luftgeführten Kühlung. Erst dann entscheidet sich, ob die Reparatur mit freier Sicht zu der defekten Stelle oder über einen Monitor in Angriff genommen werden kann. Mit einer Lanze, die gerne mal 15 Meter lang sein kann, wird die Handhabung mit Blick auf einen Bildschirm schwierig. Der Mitarbeiter benötigt eine gute Koordination seiner visuellen Wahrnehmung und eigener Bewegungsabläufe, eine Fähigkeit, die nicht jedermanns Sache ist.

"Durch die große Hitze und das Gewicht der Schweißvorrichtung wechseln sich die Mitarbeiter alle 20 Minuten ab", verdeutlicht André Groß, der als Vorstandsmitglied für Beroa NovoCos GmbH tätig ist. Reparaturen von Öfen, die in einer Koksbatterie über indirekte Heizsysteme befeuert werden, gehören ebenfalls zum täglichen Brot des Unternehmens. Dabei spielt der Umweltschutz eine tragende Rolle, wenn durch Risse Schadstoffe aus dem geschlossenen System eigene Wege suchen und durch den Kamin in die Umgebung gelangen. Schäden also, die schnellstmöglich behoben werden müssen.

Der Standort in Obergartzem ist der Dreh- und Angelpunkt, von dem aus das Zubehör, das die Kunden inklusive der Manpower mit einer Art "Baukastensystem" aus den Leistungen wählen können, gefertigt, instandgesetzt und auf den Weg gebracht wird. Ob Lanzen in unterschiedlichen Längen und Formen, Schweißmaschinen, Diamantsägen, Feuerwehrschläuche oder Spezialmischungen für eine langlebige Reparatur, bei den "Rund-um-Sorglos"-Paketen, die selbst in den Iran, nach Sibirien oder Übersee geliefert werden, steht Sicherheit in Sachen Keramikschweißen ganz oben auf der To-do-Liste der Spezialisten.

"In vielen Ländern haben die Sicherheitsbestimmungen einen ganz anderen Standard und es gibt Anlagen, die bei uns gar nicht in Betrieb genommen würden", berichtet André Groß. Doch das Ziel des Unternehmens gerät auch dadurch nicht aus dem Fokus. "In Europa sind wir bereits Marktführer", erklärt der 53-jährige Euskirchener. "Das wollen wir auch andernorts erreichen."

Keramikschweißen
Das Schweißverfahren wurde vor etwa 30 Jahren entwickelt. Es ist eine bewährte Methode für heiße Reparaturen von Industrieöfen unter Betriebstemperaturen. Eine Mischung aus keramischen und metallischen Teilchen wird mit Sauerstoff auf die heiße, feuerfeste und keramische Oberfläche projiziert. Beim Aufprall des Pulvers entsteht durch die exotherme Reaktion mit über 2.000 Grad Celsius ein Schmelzvorgang und somit eine vergleichbare Bindung wie beim metallischen Schweißen. Die Oberflächen, die repariert werden, müssen nicht abkühlen und das Verfahren bietet über viele Jahre einen langlebigeren Schutz als eine Spritzreparatur.

10 Jahre Beroa NovoCos GmbH
Die Firma wurde 2005 gegründet. Mittlerweile gehört das Unternehmen zur Beroa-Gruppe, die im Feuerfest- und Schornsteinbau führend ist, um aufgrund hoher Kapitalinvestitionen auf dem internationalen Markt weiter expandieren zu können. Neben dem zehnköpfigen Team in der Zentrale in Obergartzem sind weltweit mehr als 30 Spezialisten im Einsatz, um unter hohem körperlichen Einsatz Industrieöfen der Kokerei oder Glasfertigung ohne gravierende Produktionsausfälle zu reparieren. Neben Fertigung und Lager ist in Obergartzem der Sitz der Verwaltung und Geschäftsführung zu finden. Von hier starten die Sattelzüge mit der kompletten Ausrüstung zu den weltweiten Einsatzorten. Zum zehnjährigen Jubiläum, das am 21. November 2015 firmenintern gefeiert wird, wird das gesamte Team im Gewerbegebiet des Mechernicher Stadtteils zusammenkommen.

Dagmar Grömping / TAE GmbH Technik-Agentur Euskirchen
November 2015

Lokal verwurzelt leuchtet Luxision weltweit

Gerd Schnorrenberg, nach wie vor leidenschaftlicher Tüftler, nimmt auch selbst das Werkzeug in die Hand. Gerd Schnorrenberg, nach wie vor leidenschaftlicher Tüftler, nimmt auch selbst das Werkzeug in die Hand. | Foto: © Dagmar Grömping Großbildansicht

Wenn am St. Petersburger Flughafen Pulkowo die Lichter angehen, leuchten dort LEDs "Made in Kreis Euskirchen". Auch der Flughafen Istanbul-Atatürk wird mit Lampen erhellt, die im ehemaligen Möbelhaus "Moellmann" an der Schmidtheimer Straße in Dahlem produziert wurden. Dort hat die Firma "Luxision GmbH" von Gerd Schnorrenberg seit 2006 ihren Sitz. Der Geschäftsführer, ein echter Tüftler, wie er im Buche steht, legte den Grundstein für seine Karriere während seines Geographiestudiums. Der Hochschüler aus Sistig, der durch seine selbstgebaute mobile Beschallungstechnik so mancher Party bereits richtig eingeheizt hatte, fand einen Studentenjob bei einer Laserfirma, um seine Ausbildung zu finanzieren. "Nach einer kaufmännischen Ausbildung habe ich mich dann selbstständig gemacht", erinnert sich der 47-Jährige an die Anfänge seines Unternehmens. Im Haus seiner Eltern in Sistigbelagerte er jedes freie Plätzchen, Keller, Speicher und Garage wurden für Entwicklungs- und Produktionszwecke umfunktioniert. "2001 sind wir zunächst nach Dahlem in ein Wohnhaus umgezogen. Als auch hier der Platz nicht mehr ausreichte, haben wir das leerstehende Möbelhaus für uns entdeckt", ergänzt Schnorrenberg. Dort sind in den ehemaligen Ausstellungsräumen die Mitarbeiter gerade damit beschäftigt, in leuchtendem Rot beschichtete Straßenlampen für eine holländische Stadt zu montieren. Dennmit dem Ausbau der Räumlichkeiten kam auch die Erweiterung der Produktpalette. Neben Positionierlasern, die im medizinischen Bereich ebenso ihre Verwendung finden wie in der Herstellung von Autoreifen oder der Fertigung von Knopflöchern, entwickelte Schnorrenberg LED-Beleuchtung fürunterschiedlichste Bereiche.Darunter die "FARA Vela", eine technische Straßenleuchte, bei der nicht nur das Licht punktgenau ausgerichtet werden kann, sondern die auch den Helligkeitsgrad der Umgebung erkennt und mit niedrigem CO2-Ausstoß und Energieverbrauch umweltfreundlich leuchtet. Ob die Insassen einer Strafvollzugsanstalt in Mexico, die rundherum dank Dahlemer Lichtquellen die Nacht vertreibt, von dieser Erleuchtung begeistert sind, ist nicht bekannt. Dafür wird so mancher Arzt während der Behandlung seiner Patienten ein Dankeschön in die Eifel senden. Mit einer Fernbedienung kannder Mediziner die Lampe aus dem Hause Luxisionin der horizontalen Lage in X- als auch in Y-Achse so ausrichten, dass sie den Bereich seiner Untersuchung oder Operation genau fixierenkann. Außerdem ist die Lichtfarbe per Knopfdruck von 3700 bis 6500 Kelvin regulierbar. Dadurch werden wahlweise die blauen oder die roten Gefäße von Venen und Arterien ins rechte Licht gerückt. "Der Standort Dahlem ist für uns geographisch betrachtet auf jeden Fall optimal, obwohl der Lückenschluss der A1 die Situation noch verbessern würde", findet Schnorrenberg. "Schade ist, dass kleinere Unternehmen es in Deutschland oft schwerer haben, Fuß zu fassen und im Preiskampf zu überleben, da die Wertschöpfung tatsächlich im Inland und nicht in Billiglohnländern stattfindet". Er selbst legt großen Wert darauf, dass die Komponenten für seine Produkte aus Deutschland kommen und schaut sich zunächst nach Zulieferbetrieben in der Region um. "Lokal verwurzelt, offen für die Welt", lautet das Motto des Unternehmers.

Fakten über Luxision
Die Firma Luxision GmbH wurde 1997 unter dem Namen Laser-Med von Gerd Schnorrenberg gegründet. Schnorrenberg, der sein Knowhow als Autodidakt aus Büchern und "Learning bydoing" gesammelt hat, beschäftigt mittlerweile 15 Mitarbeiter. Die Luxision GmbH steht für vier Marken: FARA, INLA, TASS und MELA. Bei FARA werden die LED-Lampen für den Innen- als auch Außenbereich durch das Baukastensystem zu Unikaten, die auf die Wünsche der Kunden zugeschnitten sind. Das innovative Produkt der Firma besitzt drei Patente. Regionale Firmen wie z.B. die Auto Heinen GmbH in Bad Münstereifel, die Gehäuse für die Straßenleuchten produzieren, finden sich in den Lampen aus Dahlem wieder. Unter dem Label INLA werden industrielle Lasermodule entwickelt und gebaut, die kompakt und unempfindlich gegenüber Schwingungen an hochtechnischen Industrieanlagen für ein Höchstmaß an Perfektion eingesetzt werden. TASS (Technical Assemblyand Service Support) steht für Reparaturservice hauseigener Produkte als auch von Fremdfabrikaten sowie die Herstellung von OEM-Produkten. Somit ist auch Luxision selbst als Zulieferer für andere Unternehmen in der Region und weltweit tätig. MELA ist der Bereich für die Entwicklung und Produktion von Medizinlasern in den Bereichen Therapie, Sportmedizin, Blutbestrahlung und Akupunktur.

Dagmar Grömping / TAE GmbH Technik-Agentur Euskirchen
Oktober 2015




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