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Rubrikillustration Umwelt
Karte - Euskirchen

Festsetzungen in Landschaftsplänen

Hier erfahren Sie mehr zu Natur- und Landschaftsschutzgebieten, Entwicklungsmaßnahmen und anderen Festsetzungen in Landschaftsplänen.

 

Naturschutzgebiete (NSG)

Naturschutzgebiete werden festgesetzt, soweit dies

  • zur Erhaltung von Lebensgemeinschaften oder Biotopen bestimmter wildlebender Tiere und Pflanzenarten, oder aber zur Entwicklung, Herstellung oder Wiederherstellung einer solchen Lebensgemeinschaft oder Lebensstätte
  • aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, landeskundlichen oder erdgeschichtlichen Gründen oder
  • wegen der Seltenheit, besonderen Eigenart oder hervorragenden Schönheit einer Fläche oder eines Landschaftsbestandteiles

erforderlich ist. Eine besondere Bedeutung erhält diese Festsetzung überall dort, wo Verpflichtungen nach der EG-Richtlinie 92/43/EWG vom 21.05.1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (FFH-Richtlinie) und nach der EG-Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG) vom 02.04.1979 zu erfüllen sind. Wesentliches Ziel dieser Richtlinien ist die Sicherung eines europäischen Netzwerkes bedeutsamer Arten und Lebensräume (Natura 2000).

Im Kreisgebiet sind v.a. Fließgewässer und Auen als Leitlinien des Biotop- und Artenschutzes als Naturschutzgebiete festgesetzt. Hinzu kommen großflächige Bereiche mit artenreichem Grünland, Kalktriften sowie besonders schutzwürdige Wälder.

Landschaftsschutzgebiete (LSG)

Landschaftsschutzgebiete werden festgesetzt, soweit dies

  • zur Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts oder der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter,
  • wegen der Vielfalt, Eigenart oder Schönheit des Landschaftsbildes oder der besonderen kulturhistorischen Bedeutung der Landschaft oder
  • wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Erholung

erforderlich ist.

Für viele Kommunen des Kreises Euskirchen wird für die gesamte Fläche des Gemeinde- bzw. Stadtgebietes, die außerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile liegt und für die keine anderweitige Festsetzung erfolgte, Landschaftsschutz festgesetzt. Hierdurch soll die Kulturlandschaft Eifel mit ihren großen zusammenhängenden Waldgebieten und strukturreichen Offenlandbereichen in ihrem Charakter geschützt werden. Die Beseitigung von Hecken und Bäumen ist hier ebenso untersagt wie die Beeinträchtigung der Gewässer, oder die Veränderung der Bodengestalt durch Aufschüttungen oder Abgrabungen. Hinzu kommt ein pauschales Bauverbot.

Naturdenkmale (ND)

Als Naturdenkmal werden Einzelschöpfungen der Natur, oder entsprechende Flächen bis fünf Hektar festgesetzt, soweit ihr besonderer Schutz

  • aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, landeskundlichen, oder erdgeschichtlichen Gründen oder
  • wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit

erforderlich ist. Die Festsetzung kann auch die für den Schutz des ND notwendige Umgebung einbeziehen.

Als ND werden vor allem Einzelbäume oder Baumgruppen, die aufgrund ihres Alters, ihrer Eigenart oder Schönheit besonders schützenswert sind, sowie Alleen oder Feuchtbiotope mit besonderer Bedeutung festgesetzt.

Auch besonders markante Felsformationen oder Höhlen werden als Naturdenkmal geschützt.

Geschützte Landschasftsbestandteile (GLB)

Als Geschützte Landschaftsbestandteile werden Teile von Natur und Landschaft festgesetzt, soweit ihr besonderer Schutz

  • zur Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts,
  • zur Belebung, Gliederung oder Pflege des Orts- und Landschaftsbildes oder
  • zur Abwehr schädlicher Einwirkungen

erforderlich ist. Hier steht vor allem der Schutz von Streuobstwiesen, größeren Feuchtbiotopen und Gehölzbeständen im Vordergrund. In den Bördenbereichen gilt dies auch für die zahlreichen Wasserburgen und kulturhistorisch bedeutsamen Hofstellen, die oftmals über angrenzende Parkanlagen mit altem Baumbestand verfügen.

In der Voreifel sind Baumgruppen und Einzelbäume, z.B. Gerichtslinden oder Baumgruppen an Wegekreuzen, geschützt.

Im Bereich der Gemeinde Hellenthal werden aber z.B. auch Teile der kulturhistorisch bedeutsamen Höckerlinie des Westwalls mit ihrer Flora und Fauna als GLB festgesetzt.

Forstliche Festsetzungen

Der Landschaftsplan kann in NSG und GLB im Einvernehmen mit der unteren Forstbehörde für Erstaufforstungen oder Wiederaufforstungen bestimmte Baumarten vorschreiben, oder ausschließen sowie eine bestimmte Form der Endnutzung untersagen, soweit dies zur Erreichung des Schutzzweckes erforderlich ist.

Von dieser Möglichkeit macht der Kreis insbesondere in den FFH-Gebieten Gebrauch. Hier werden als forstliche Maßnahmen die Wiederaufforstung von Laubbaumbeständen sowie die Wiederaufforstung von Nadelbaumbeständen mit standortgerechten Laubbaumarten, besonders in Quellbereichen, Bachtälern und Siefen, vorgeschrieben. Darüber hinaus gilt vielfach das Verbot des großflächigen Kahlschlages mit dem Ziel, im Rahmen einer moderaten Verjüngung von Wäldern Lebensraum für zahlreiche Tierarten zu sichern.

Entwicklungs-, Pflege- und Erschließungsmaßnahmen gemäß § 26 LG NW

Zum Erhalt sowie zur Entwicklung der Schutzgebiete bedarf es oftmals auch konkreter Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen. Hierunter fallen beispielsweise die Mahd oder Beweidung von schutzwürdigen Grünlandbereichen, die Beseitigung störenden Gehölzaufwuchses oder gezielte Pflegemaßnahmen zur Sicherung von Sonderbiotopen wie Heiden oder Steinbrüchen.

Viele dieser Maßnahmen werden im Rahmen des Vertragsnaturschutzes (Kulturlandschafts- programm) umgesetzt. Die Entwicklung spielt insbesondere in den Fließgewässern eine große Rolle. Hier sollen verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden, die den ökologischen Zustand der Fließgewässer verbessern. Bäche sollen wieder frei mäandrieren können, hierzu muss der Uferverbau beseitigt werden. Enge Rohrdurchlässe sollen durch größere ersetzt werden, Furten so gestaltet werden, dass Fische und Kleinstlebewesen ungehindert passieren können.

Wichtiger Bestandteil der Entwicklungsmaßnahmen sind auch Pflanzungen von Flurgehölzen, Hecken, Bienenweidegehölzen, Schutzpflanzungen, Alleen, Baumgruppen und Einzelbäumen. Hierdurch wird das Landschaftsbild aufgewertet und Lebensraum für zahlreiche Tierarten geschaffen oder verbessert. Dabei wird besonderer Wert auf die langfristige Sicherung und Pflege dieser Anpflanzungen gelegt.

Ge- und Verbotsvorschriften

Jedes Schutzgebiet und jedes Schutzobjekt werden aus ganz bestimmten Gründen festgesetzt. Die im Gebiet vorkommenden Arten und Biotope, aber auch landschaftliche Aspekte sowie Belange des Ressourcenschutzes bestimmen letztendlich den Schutzzweck und die erforderlichen Ver- und Gebote. Generell gilt hierbei, dass ökologisch besonders wertvolle Gebiete und Objekte eines strengeren Schutzes bedürfen als großflächige Landschaften, bei denen der Schutz der Eigenart und der natürlichen Lebensgrundlagen im Vordergrund steht.

Schutzobjekte wie Naturdenkmale und Geschützte Landschaftsbestandteile , z.B. Einzelbäume, erfordern im Wesentlichen den Schutz vor Beseitigung, Beschädigung oder Beeinträchtigung z.B. im Wurzel- oder Traufbereich. Deshalb greift hier ein deutlich reduzierter Verbotskatalog. Belangen der Erholungsnutzung wird vereinzelt durch einen gebietsspezifisch reduzierten Verbotskatalog Rechnung getragen. Umgekehrt können Besonderheiten in den Schutzgebieten gebietsspezifische Regelungen begründen.

Unberührtsheitsklausel

Die in den Schutzgebieten geltenden Verbote richten sich an den Bürger und sind grundsätzlich zu beachten. Allerdings hat der Gesetzgeber vorgeschrieben, dass der Landschaftsplan auch sonstige Belange bei der Planung zu berücksichtigen hat.

Der Kreis Euskirchen trägt dieser Verpflichtung durch Formulierung der sogenannten Unberührtheitsklauseln Rechnung. So sind die Ausübung der Landwirtschaft gemäß den Erfordernissen der guten fachlichen Praxis, die ordnungsgemäße Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei im Wesentlichen von den Verbotsvorschriften ausgenommen und können ohne wesentliche Einschränkungen ausgeübt werden.

In den Naturschutzgebieten gilt dies aber nur in der bisherigen Art und im bisherigem Umfang. Dies bedeutet, dass dort ein ökologisches Verschlechterungsverbot gilt und Nutzungen nicht geändert oder intensiviert werden dürfen. So ist hier der Grünlandumbruch untersagt, ebenso wie die Düngung bislang extensiv genutzten Grünlandes oder die Umwandlung von Laub- in Nadelwald. Grünlandumbruch ist außerdem in zahlreichen Bach- und Talauen untersagt. Von den Verboten freigestellt sind darüber hinaus auch solche Nutzungen, die nach anderen Vorschriften genehmigt wurden oder eigentumsrechtlichen Bestandschutz genießen.

Befreiungen

Der Gesetzgeber ermöglicht über die Unberührtheitsklausel hinaus eine Einzelfallprüfung. Sollen Vorhaben in Schutzgebieten umgesetzt werden, die nach den Vorschriften grundsätzlich untersagt sind, kann ein Antrag auf Befreiung bei der zuständigen Unteren Landschaftsbehörde (ULB) gestellt werden.

Eine Befreiung kommt beispielsweise in Betracht, wenn das Vorhaben im öffentlichen Interesse ist oder ein Bürger geltend machen kann, dass ihm ansonsten eine nicht zumutbare Härte entstehen würde. Die ULB prüft dann die Möglichkeit der Befreiung. Es handelt sich aber nach dem Gesetz um eine "Kann"-Bestimmung. Ein Rechtsanspruch auf eine Befreiung besteht nicht. Die ULB hat daher nicht nur die konkreten Umstande des Einzelfalles zu betrachten, sondern auch die Absichten des Kreises zum Schutz des Gebietes zu prüfen wie auch Fragen der Gleichbehandlung mit Dritten.