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Rubrikillustration Umwelt
Karte - Euskirchen

Einweg, Mehrweg, Pfand

Seit 2003 gibt es in Deutschland zusätzlich zum Mehrwegpfand ein Einwegpfand. Damit ist das System relativ kompliziert geworden - viele Verbraucher wissen gar nicht mehr, ob sie gerade Einweg- oder Mehrwegflaschen kaufen. Das führt auch zu Problemen bei der Rückgabe. Die Abfallberatung hat hier die wesentlichen Infos zum Thema zusammengestellt.

Hintergrund

Mancher kann sich noch daran erinnern, mit der Milchkanne zum Milchholen gegangen zu sein. Die Kanne wurde gefüllt, und wenn die Milch verbraucht war, gereinigt und wiederbefüllt: das perfekte Mehrweg-System.

Bei Getränken hat das umweltfreundliche Mehrwegsystem in Deutschland Tradition: lange war es selbstverständlich, Wasser, Limonade oder auch Saft in wiederbefüllbaren Flaschen - meist im Kasten - zu kaufen.

Bis 1997 lag der Anteil der Getränke, die in Mehrweg verkauft wurden, - die sogenannte Mehrwegquote - um 72 % oder sogar darüber. Dann begann der Wert rapide zu fallen. 2002 lag er nur noch bei gut 56 %.

Um diesen Trend zu stoppen, wurde 2003 das Pflichtpfand für Getränke in Einweg eingeführt. Die Mehrwegquote stieg tatsächlich kurzfristig an - eine Folge der Unsicherheiten, die bei der Einführung des "neuen" Pfandes bestanden. Danach stetzte sich der Absturz aber wieder fort: 2005 wurden wieder nur 56 % der Getränke in Mehrweg verkauft, 2006 sogar nur 52 %. 2007 lag der Wert nur noch bei knapp 30 %.

Da Mehrwegsysteme sich nur lohnen, wenn ein Mindestanteil an Getränken auch in diesem System gehandelt werden, könnte diese Entwicklung dazu führen, dass die Mehrwegsysteme vollständig abgeschafft werden.

Das würde nicht nur den Verlust des umwelt- und klimafreundlichen Systems, sondern auch den vieler Arbeitsplätze bedeuten: Viele mittelständische Produzenten und Abfüller sind auf das System angewiesen und geraten zunehmend in Bedrängnis.

Welche Pfandsysteme gibt es?

Seit Anfang 2003 gibt es in Deutschland neben beim altbekannten Pfand für Mehrwegflaschen das Einwegpfand. Damit existieren zwei vollkommen getrennte Pfandsysteme.

Mehrwegzeichen Mehrwegzeichen (nicht auf allen Mehrwegflaschen) Großbildansicht

Das Mehrwegpfand wird von den Händlern erhoben, damit die Flaschen zurückgebracht werden und wiederverwendet werden können. Es ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Deshalb gibt es beim Mehrwegpfand auch keine Vorgaben, wer welche Flaschen zurücknehmen muss. Im Normalfall nehmen die Händler alle Flaschen zurück, die die gleiche Form haben wie die Flaschen, die sie verkaufen. Das Mehrwegpfand beträgt meist 8 oder 15 Cent. Mehrwegflaschen können aus Glas oder PET sein. Einige, aber nicht alle, tragen das "Mehrweg-Zeichen".  Auch auf den Flaschen ohne das Zeichen ist jedoch stets ein Hinweis "Mehrweg" oder "Mehrwegflasche" zu finden.

DPG-Logo mit Barcode DPG-Logo mit Barcode (nur auf Einwegflaschen) Großbildansicht

Das Einwegpfand ist gesetzlich vorgeschrieben und wurde eingeführt, um Mehrweg attraktiver zu machen. Allerdings hat das Konzept offensichtlich nicht funktioniert. Für die Rücknahme gilt grundsätzlich, dass dort, wo Einwegflaschen oder -dosen verkauft werden, auch Einweg zurückgenommen werden muß, wenn es aus dem selben Material ist. Eine Metalldose kann deshalb nur dort zurückgegeben werden, wo auch Dosen verkauft werden. Einwegflaschen mit Pfand sind meist aus PET. Von ihren Mehrweg-Kollegen aus dem selben Material unterschieden sie sich oft nur dadurch, dass das PET dünner ist (es muss ja nur eine einmalige Verwendung aushalten) und dass das DPG-Pfandlogo aufgedruckt ist. Einwegflaschen aus Glas gibt es eigentlich nur noch in den Bereichen, wo das Pfand nicht vorgeschrieben ist, z.B. bei Wein und Spirituosen.

Das Einwegpfand beträgt immer 25 Cent. Auf allen Einwegflaschen, für die das Pfand gilt, muß das DPG-Logo aufgedruckt sein.

 

Wie unterscheide ich Einweg von Mehrweg?


Früher war es einfach: Pfand=Mehrweg, kein Pfand=Einweg. Heute ist das komplizierter geworden.

Dennoch gibt es eindeutige Unterschiede.


  Mehrweg Einweg mit Pfandpflicht Einweg ohne Pfandpflicht
Kennzeichnung     Mehrweg-Zeichen oder Schriftzug "Mehrweg" DPG-Logo (Flasche und Dose mit Pfeil) über Barcode Meist keine; gelegentlich Aufdruck "Kein Pfand!"
Pfandbetrag 8 Cent oder 15 Cent 25 Cent keiner

 

Pfandclearing oder warum bei Einweg der Code so wichtig ist

Getränkedose mit DPG-Pfandlogo Dose mit DPG-Pfandlogo Großbildansicht

Das DPG-Pfandlogo ist mit einem EAN-Code (Strichcode) kombiniert. Die Rücknahmeautomaten für Einweg prüfen das Pfandlogo mit dem zugehörigen Barcode. Die im Code hinterlegten Daten ermöglichen den Pfandausgleich (das sogenannte "Clearing") zwischen den verschiedenen Geschäften. Flaschen ohne Code werden deshalb vom Automaten nicht akzeptiert. Der Code wird vom Automaten gescannt; sofort danach wird die Flasche zerdrückt.

Das Pfand-Clearing ist erforderlich, wenn Geschäft A eine in Laden B gekaufte Dose zurücknimmt. In diesem Fall hätte B das Pfand kassiert, A es aber wieder ausgezahlt. Um dies zwischen den vielen Beteiligten auszugleichen, findet das Pfand-Clearing statt. Läden, die mehr Dosen oder Flaschen zurückgenommen als verkauft haben, erhalten die zusätzlich ausbezahlten Pfandbeträge zurück. Umgekehrt müssen die Läden, die mehr Pfand eingenommen als wieder zurückgegeben haben, das überschüssige Pfand wieder zur Verfügung stellen.

Deshalb werden Dosen und Flaschen nur dann zurückgenommen, wenn der Strichcode noch lesbar ist. Andernfalls bekommt das Geschäft, das den Pfandbetrag erstattet, diesen nicht wieder zurück.

Bei PET-Flaschen sind Pfandlogo und Strichcode in der Regel auf dem Etikett angebracht. Deshalb die Etiketten nicht abziehen!

Auf zerdrückten Dosen und Flaschen kann der Code ebenfalls nicht gelesen werden. Achten Sie deshalb darauf, dass Ihre Pfandverpackungen nicht stark verformt sind. Solange der Code allerdings noch eindeutig erkennbar ist, können Sie im Geschäft verlangen, dass die betroffene Flasche manuell zurückgenommen wird.

Die Ökobilanz - Das Problem mit den Dosen

Im Jahr 2000 wurde im Auftrag des Umweltbundesministeriums eine Ökobilanz für Getränkeverpackungen erstellt. Diese Ökobilanz zeigt eine klare Trennung zwischen "ökologisch vorteilhaften" (umweltfreundlichen) und "ökologisch nachteiligen" (umweltschädlichen) Verpackungen auf. Ökologisch vorteilhaft sind Mehrwegflaschen und Kartonverpackungen; als nachteilig erwiesen sich die Dosen sowie Einwegflaschen aus Glas und Kunststoff. Die eindeutig umweltschädlichste Verpackung ist und bleibt die Dose: Sie besteht in der Regel ganz oder teilweise aus Aluminium, das sehr energieaufwendig (ca. 50.000 kWh Strom pro Tonne Aluminium) hergestellt wird. Neben dem Energieverbrauch hat die Aluminiumherstellung weitere ökologische Nachteile: es entstehen schwermetallhaltige Schlämme, klimaschädliche Fluorkohlenwasserstoffe sowie Schwefeldioxid.

Um die Umwelt zu schützen, wurde daher schon 1991 bei den Getränkeverpackungen ein Mehrweg-Anteil von mindestens 72 % festgeschrieben. Mit dieser festen Quote sollte sichergestellt werden, dass die umweltschädigenden Dosen und Einwegflaschen möglichst wenig eingesetzt werden.

Leider hat dieses Konzept nur einige Jahre lang funktioniert: 2003 musste wegen ständiger Unterschreitung der Mehrweg-Quote die Pfandpflicht eingeführt werden.

Was sind "ökologisch vorteilhafte Verpackungen"?

In der früheren Version der Verpackungsverordnung wurde nur zwischen abfallarmen Mehrwegverpackungen und den abfallverursachenden Einwegverpackungen unterschieden. Man stellte jedoch fest, dass eine reine Betrachtung der "Abfallseite" nicht unbedingt eine verlässliche Aussage über die Umweltverträglichkeit oder -schädlichkeit eines Produktes ermöglicht. Vielmehr sollten alle Umweltauswirkungen betrachtet werden, und das über den gesamten Lebensweg des Produktes: von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung, Herstellung und den Gebrauch bis zur Entsorgung. Neben der Abfallproblematik sollten Aspekte wie Ressourcenbelastung, Energieverbrauch, Verschmutzung von Gewässern, Belastung von Böden und Emissionen in die Betrachtung eingehen.

Eine solche komplexe Betrachtung der Umweltauswirkungen eines Produktes wird als "Ökobilanz" bezeichnet. Im Auftrag des Umweltbundesamtes wurde eine Ökobilanz verschiedener Getränkeverpackungen erstellt. Die Ökobilanz berücksichtigt folgende Umweltaspekte:

  • Photochemische Oxidantienbildung (Stichwort: Sommersmog)
  • Aquatische Eutrophierung (Überdüngung von Gewässern)
  • Terrestrische Eutrophierung (Überdüngung von Böden)
  • Versauerung
  • Gesundheitsschäden und gesundheitliche Beeinträchtigung des Menschen
  • Schädigung und Beeinträchtigung von Ökosystemen
  • Ressourcenbeanspruchung
  • Naturraumbeanspruchung
  • Treibhauseffekt

 

Nach Veröffentlichung der Ökobilanz erschien es nicht mehr sinnvoll, nur zwischen Einweg- und Mehrweg - Getränkeverpackungen zu unterscheiden. Stattdessen wurden die Begriffe "ökologisch vorteilhafte Verpackungen" und "ökologisch nachteilige Verpackungen" verwendet.

Ökologisch nachteilige Verpackungen sind Einwegflaschen aus Glas oder Kunststoff und ganz besonders die Getränkedosen. Als ökologisch vorteilhaft können nach den Ergebnissen der aktuellen Bilanz nicht nur Mehrwegflaschen, sondern auch Folien-Standbodenbeutel und Getränkekartons eingestuft werden. Diese Verpackungen wurden deshalb von der Pfandpflicht befreit. Außerdem gelten Schlauchbeutel als ökologisch vorteilhaft. Sie wurden eine Zeit lang vor allem für Milch eingesetzt. Inzwischen sind sie aber weitgehend wieder aus den Geschäften verschwunden.

Links



Weitere Infos im WWW:

  • DPG - Deutsche Pfandsysteme GmbH
    Das DPG-Logo kennzeichnet Einwegflaschen. Warum das DPG-Logo samt Barcode auf den Flaschen wichtig für die Rücknahme sind und weitere Infos gibt es hier.
  • www.mehrweg.org
    Der "Arbeitskreis Mehrweg" informiert u.a. über das Mehrweg-Symbol, bietet aber auch einen Mehrweg-Guide und ein Quiz.
  • www.promehrweg.de
    Pro Mehrweg e.V. liefert u.a. Hintergrundinfos zu Mehrweg
  • Deutsche Umwelthilfe
    Auch die Deutsche Umwelthilfe setzt sich für den Einsatz von Mehrweg ein und hält recht umfangreiche Infos bereit.

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