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Rubrikillustration Bürgerservice
Karte - Euskirchen

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - wer hilft mit?

Gastfamilien weiter gesucht: Info-Veranstaltung 27.09.2016

Das Jugendamt Euskirchen sucht weiterhin dringend engagierte Menschen, die sich vorstellen können, einen geflüchteten Jugendlichen bei sich aufzunehmen.

Für unbegleitete ausländische Minderjährige, die im Kreis Euskirchen ankommen, stehen unterschiedliche Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung. Zunächst kommen alle Jugendliche in einer Aufnahmegruppe unter. Dort kommen sie nach der Flucht zur Ruhe, bekommen ersten Sprachunterricht und haben eine geregelte Tagesstruktur. In dieser Zeit kommt es auch zu einer ersten Einschätzung, welche Hilfe die richtige ist.

Ein guter Weg, der für die Jugendlichen viele Chancen bietet, kann das Leben in einer Gastfamilie sein. Derzeit leben im Kreis Euskirchen fast die Hälfte der seit November 2015 im Kreis Euskirchen angekommenen unbegleiteten ausländischen Minderjährigen in Familien. Die Flüchtlinge sind in der Regel männlich und älter als 15 Jahre.

Das Projekt verläuft sehr erfolgreich und findet auch überregional große Beachtung. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die am 22.08.2016 mit Gastfamilien und untergebrachten Flüchtlingen gesprochen hat, bezeichnete den im Kreis Euskirchen gewählten Ansatz als "exzellent".

Die Gastfamilien bieten einem Jugendlichen einen Ort zum Leben und damit die Möglichkeit, sich hier in Deutschland schnell Zuhause zu fühlen und zu integrieren.

Interessierte, die offen gegenüber anderen Kulturen sind, über Zeit und Wohnraum verfügen und sich vorstellen können, einen Jugendlichen gemeinsam mit der Unterstützung von Fachkräften auf seinem Weg zu begleiten, lud die Abteilung Jugend und Familie des Kreises Euskirchen am Dienstag, dem 27.09.2016, um 18:00 Uhr, zu einer Infoveranstaltung in das Kreishaus Euskirchen, Jülicher Ring 32, Namslauer Stube, ein. Neben den Fachkräften des Jugendamtes waren auch Gasteltern für Fragen zur Verfügung stehen.

Ehrenamt/Flüchtlinge im Kreis Euskirchen - wer macht mit?

Jugendliche aus Eritrea Foto: © Heilpädagogische Kinder- und Jugendhilfe in Angeln, Havetoft Großbildansicht

Der Kreis Euskirchen bemüht sich bereits jetzt - gemeinsam mit den zahlreichen anderen Initiativen vor Ort - aktiv um die Unterstützung von Flüchtlingen im Kreis Euskirchen.

In diesem Feld arbeiten wir bereits an folgenden Themen: Verbesserung der Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen durch Beratung zum Schul- und Bildungssystem, Förderung der Mehrsprachigkeit an Schulen, interkulturelle Öffnung von Institutionen und Einrichtungen sowie Beratung von Menschen mit Migrationshintergrund.

In diesem Sinne arbeitet das Kommunale Bildungs- und Integrationszentrum (KoBIZ) an der Umsetzung von Ideen, Konzepten und Projekten für und mit Menschen mit Migrationshintergrund im Kreis Euskirchen - hier finden örtliche Initiativen und Interessierte Informationen, Unterstützung und Beratung.

Aufgrund einer geplanten Gesetzesänderung ist nun absehbar, dass sich die Abteilung Jugend und Familie des Kreises Euskirchen zukünftig auch verstärkt um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kümmern wird, die derzeit vor allem in den Großstädten Aufnahme finden, wo sie zunächst angetroffen werden. Nach bisheriger Einschätzung werden es insbesondere über 16jährige junge Menschen aus dem Irak, Syrien, Eritrea, Somalia und Afghanistan sein.

Wir bitten um Mithilfe von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die bereit sind, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu unterstützen.

Wir suchen insbesondere Gastfamilien - gerne mit eigenem Migrationshintergrund -, die sich dafür interessieren, mit Unterstützung der Jugendhilfe Kinder und Jugendliche bis zur Volljährigkeit zu betreuen. Des Weiteren werden geeignete Vormünder gesucht, die sich vorstellen können, sich mit Unterstützung der Abteilung Jugend und Familie um die rechtliche Vertretung zu kümmern und Kontakt zu den Jugendlichen zu halten. Ebenfalls suchen wir Menschen, die in Alltagsdingen übersetzen können.

Alle Bürgerinnen und Bürger, die sich als Gastfamilie, Vormund oder Übersetzer für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge einsetzen wollen, können sich per Email mit dem Abteilungsleiter, Erdmann Bierdel, per E-Mail in Verbindung setzen (erdmann.bierdel@kreis-euskirchen.de).

Bürgerschaftliches Engagement professionell unterstützen - Gastfamilien und ehrenamtliche Vormundschaften im Kreis Euskirchen

Erdmann Bierdel, Abteilungsleiter Jugend und Familie

Im Kreis Euskirchen liegt ein Schwerpunkt bei der Versorgung und Integration der unbegleiteten ausländischen Minderjährigen (UAM) in der starken Einbeziehung der Bürgerschaft. Mehr als die Hälfte der untergebrachten Jugendlichen finden bereits heute Platz in einer Familie, für nahezu alle kann eine ehrenamtliche Vormundschaft eingerichtet werden. Die Erfahrungen sind sehr positiv und zeigen, welches enorme Potenzial in einer breiten Einbeziehung der Bürgerschaft liegt.

Integration - ein wichtiges Handlungsfeld im Kreis Euskirchen
Bereits seit 2007 richtet man im Kreis Euskirchen die Aufmerksamkeit auf die Veränderungen durch den demographischen Wandel. Der Integration von neuen Bürgern kommt dabei eine große Bedeutung zu. Der Kreis Euskirchen hat als ein Leitziel formuliert, dass "Zuwanderer (…) im Kreis Euskirchen in ihrer kulturellen und sprachlichen Vielfalt und mit ihren beruflichen und persönlichen Kompetenzen sowie ihrem Engagement willkommen" sind. "Ziel ist es, dass alle im Kreis Euskirchen lebenden Menschen in gegenseitigem Respekt zusammen leben und gemeinsam ihre Zukunft zum Wohle aller gestalten können." An diesem Leitziel orientieren sich schon seit Jahren Projekte, die der Integration dienen. Um den Herausforderungen noch besser begegnen zu können, wurde Anfang 2014 im Geschäftsbereich III (Bildung, Gesundheit, Jugend und Soziales) eine neue Organisationseinheit geschaffen, das "Kommunale Bildungs- und Integrationszentrum (KoBIZ). In dieser Einheit werden die unterschiedlichen Förderprogramme "Regionales Bildungsnetzwerk", "Kommunale Koordinierung" und "Kommunales Integrationszentrum" zusammengefasst.

Integration durch Begegnung - die Grundidee des Ansatzes
Die Grundlage der Planungen besteht in der Annahme, dass die Integration von unbegleiteten ausländischen Minderjährigen erheblich erleichtert werden kann, wenn ein möglichst intensiver alltäglicher Kontakt zur Bürgerschaft besteht. Dieser intensive Kontakt kann insbesondere in zwei wichtigen Bereichen erfolgen: der ehrenamtlichen Vormundschaft sowie dem Leben in Gastfamilien. Dabei gehen wir nicht davon aus, dass jeder jugendliche Flüchtling in einer Gastfamilie untergebracht werden soll. Das Ziel ist aber, möglichst für und mit jedem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling eine differenzierte Entscheidung im Rahmen der Hilfeplanung zu treffen, sei es für das Leben in einer Gastfamilie, in betreuten Wohnformen oder in einer Heimgruppe.
Nachdem sich abzeichnete, dass die gesetzliche Neuregelung voraussichtlich erheblich früher als erwartet in Kraft treten könnte und auch die Anzahl der voraussichtlich zu betreuenden Jugendlichen viel höher sein könnte als bis dahin vermutet, wurde im September 2015 über die Presse die Bevölkerung um Mithilfe gebeten ("Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - wer hilft mit"). Die Resonanz war überwältigend: zur ersten Infoveranstaltung kamen über 160 Menschen, die sich vorstellen konnten, sich in der einen oder anderen Art persönlich zu engagieren. In der Folge fanden noch zwei weitere Abende statt, zu denen weitere rund 100 Interessierte kamen. Über differenzierte Fragebögen gab es einen raschen Rücklauf. Während für die ehrenamtlichen Vormundschaften zeitnah zu Schulungsmaßnahmen durch die Amtsvormünderinnen eingeladen wurde fanden bei allen interessierten Gastfamilien innerhalb von wenigen Wochen Hausbesuche durch erfahrene Leitungskräfte im ASD statt, um einen unmittelbaren Eindruck von der Familie und ihren Voraussetzungen zu bekommen.

Die "Chaos-Phase"
Während dieser Zeit wurde der Kreis plötzlich bereits vor dem 01.11.2015 für rund 30 Jugendliche zuständig, die in Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes im Kreis angetroffen wurden. Da seitens der Anbieter der stationären Jugendhilfe keine nennenswerten Kapazitäten für die Inobhutnahmen zur Verfügung gestellt werden konnten, wurde zur Vermeidung von Obdachlosigkeit zunächst auf das vorhandene Netz von Bereitschaftspflegestellen zurück gegriffen. Auch mussten Unterbringungen in geprüften Gastfamilien in einigen Fällen nahezu ohne Anbahnungsphase stattfinden, allerdings immer mit professioneller Begleitung durch Fachkräfte der ambulanten Jugendhilfe. Dies war für alle Beteiligten eine schwierige Phase mit vielen Stolperstellen aber auch mit hohem Lernfaktor: die Betreuung dieser Jugendlichen in unterstützten Familien ist in den meisten Fällen vom pädagogischen Bedarf her gut möglich. Mit Hochdruck wurde daran gearbeitet, eine Aufnahmegruppe zu installieren, um von dort aus die Vermittlung in Gastfamilien, noch zu schaffenden Heimgruppen oder betreuten Wohnformen gemeinsam mit den Jugendlichen zu planen.

Phasen der Einleitung der passenden Jugendhilfemaßnahme Großbildansicht

"Willkommen im Kreis Euskirchen" - Kennen lernen in einer Aufnahmegruppe
Anfang Dezember konnte eine provisorische Aufnahmegruppe eingerichtet werden, in der bis zu 22 Jugendliche Platz finden. Die Jugendlichen erhalten bereits in der Aufnahmesituation eine muttersprachliche Information insbesondere darüber, dass das Jugendamt sich für sie einsetzen will und jetzt mit ihnen zusammen die nächsten Schritte planen wird, wenn man sich kennen gelernt hat. Über die ehrenamtlichen Vormundschaften und das Gastelternprojekt wird ebenfalls informiert. Derzeit erarbeiten wir eine weitere Information ähnlichen Inhalts, die die Jugendlichen an ihre Familien verschicken können. Ab dem ersten Tag haben die Jugendlichen in der rund um die Uhr betreuten Einrichtung eine Tagesstruktur (Sprachunterricht, Kulturvermittlung, Freizeitangebot). In diesen ersten Wochen lernt der Jugendliche "seine" ASD-Mitarbeiter kennen und der ASD den Jugendlichen. Da die Jugendlichen in der Regel einen hohen Tatendrang verspüren, sind sie sehr daran interessiert zu erfahren, wie es nun weiter geht. Sofern möglich, erfolgt auch bereits die Seiteneinsteigerberatung zur Beschulung, damit sich möglichst zeitnah auch außerhalb der Aufnahmegruppe eine Perspektive und Tagesstruktur abzeichnet. Inzwischen sind es auch vor allem die (gut vernetzten) Jugendlichen untereinander, die die Erfahrungen mit den verschiedenen Folgemaßnahmen kommunizieren - der "Renner" unter den dort untergebrachten Jugendlichen sind die Gastfamilien.

Ein tragfähiges Netz: bürgerschaftliches Engagement professionell unterstützt Großbildansicht

Vermittlung in Gastfamilien
Aus unseren Erfahrungen könnte der weit überwiegenden Anzahl der Jugendlichen in Familien geholfen werden, was aber aus Kapazitätsgründen nicht möglich ist. Wenige Jugendliche zeigen Verhaltensweisen, die zumindest vorerst eine stationäre Maßnahme notwendig macht, in einigen Fällen "erlaubten" die Herkunftsfamilien den Jugendlichen das Einlassen auf die Gastfamilie zunächst nicht, was sich aber durch direkten Kontakt mit den Familien klären ließ. In Fällen, wo dies aber in Frage kommt (Alter, Verhalten, Passung zur Gastfamilie) schlägt der ASD eine Vermittlung vor und es kommt zu einem Kennenlernen (Gespräche mit Dolmetscher, Ausflüge, Besuche), zum Teil auch unter Einbeziehung der Fachkraft, die auch die ambulante Betreuung übernehmen wird. In den meisten Fällen erfolgt eine zeitnahe Aufnahme: wenn sich Gastfamilie und Jugendlicher füreinander entschieden haben liegt es beiden Seiten am Herzen, schnellstmöglich zusammen zu kommen. Gerade die Anfangsphase wird mit ca. 4-6 Fachleistungsstunden wöchentlich in den Familien unterstützt, um das Kennen lernen im Familienalltag zu erleichtern.
Sofern noch kein Schulbesuch stattfinden kann, können die Jugendlichen auch an der Tagesstruktur in der Aufnahmegruppe teilnehmen. Die ehrenamtlichen Vormünder (zumeist die Gasteltern) werden bei auftretenden Fragen fachlich durch die Amtsvormünderinnen im Jugendamt unterstützt, damit es nicht zu Überforderungssituationen kommt.

Erste Erfahrungen
Von den derzeit 66 untergebrachten Jugendlichen befinden sich aktuell (15.03.2016) 36 in Gastfamilien. Da auch aufgrund der öffentlichen Aufmerksamkeit weitere Bewerbungen von möglichen Gasteltern eingehen, halten wir die Betreuung von ca. 50 Jugendlichen in Gastfamilien perspektivisch für realistisch. Zwischenzeitlich haben wir eine erste Auswertung anlässlich eines Treffens der Gastfamilien gemacht: die Erfahrungen sind meist sehr gut. Die Jugendlichen werden als höflich, respektvoll, zuverlässig und strebsam beschrieben, die z.B. in der Schule und in ihren Deutschkenntnissen erstaunliche Fortschritte machen. Einige vormalige Bereitschaftspflegefamilien, die aufgrund des Alters für die Betreuung kleinerer Kinder nicht mehr zur Verfügung stehen wollen, sind begeistert von den neuen Erfahrungen, die sie mit diesen Jugendlichen machen. Weder die ärztliche Versorgung noch die Integration in das soziale Umfeld der Familie (u.a. auch Vereinsleben) bereiten nennenswerte Probleme.
Die Gastfamilien, die häufig auch Vormund sind, setzen sich allerdings enorm für ihre Jugendlichen ein, was eine Schule, ein Ausländer- oder das Jugendamt auch fordern kann. Für manche Gastfamilien ist es schwierig, dass sich die Jugendlichen nicht so öffnen, wie man es von eigenen Kindern kennt. Auch ist die unklare Bleibeperspektive insbesondere bei den Jugendlichen aus Afghanistan für alle belastend.
Sowohl die Gastfamilien als auch die Jugendlichen sind inzwischen gut vernetzt: die Jugendlichen kennen sich aus der Aufnahmeeinrichtung und halten den Kontakt untereinander, die jeweiligen Gasteltern lernen sich darüber ebenfalls kennen und können füreinander häufig eine wichtige Ressource sein.
Ernste Probleme bestanden vor allem für die ersten Jugendlichen und ihre Gastfamilien, die so gut wie keine Anbahnungsphase hatten. In Einzelfällen kam es hier auch zu begleiteten Wechseln in andere Familien und in andere Jugendhilfeangebote.
Viele Jugendlichen sind erheblich belastet durch die Ansprüche, Vorstellungen und Forderungen der Herkunftsfamilien. Deshalb ist es wichtig, für den Jugendlichen und seinen Herkunftsfamilien möglichst von Anfang an die Realitäten der neuen Lebenssituation zu verdeutlichen.
In diesem Jahr werden regelmäßige Gastelterntreffen zum persönlichen Austausch sowie Schulungen zu Schwerpunktthemen angeboten.
Die häufig diskutierten "Standards der Jugendhilfe" waren und sind natürlich in Teilen nicht eingehalten worden (wenn man sie für universell hält). So konnten die Gasteltern nicht in einer mehrmonatigen modularen Schulungsmaßnahme auf ihre Aufgabe vorbereitet werden, in der Anfangszeit gab es in der Aufnahmegruppe einen relativ hohen Anteil von Betreuungspersonal ohne pädagogische Ausbildung und die Unterbringung erfolgte z.T. in Mehrbettzimmern mit zu geringer Größe. Viel wichtiger aber ist nach unseren Erfahrungen die Haltung, mit der den Jugendlichen von allen Beteiligten begegnet wird und das darauf aufbauende Betreuungskonzept in Zusammenarbeit von Fachkräften, engagierten fachfremden Betreuungspersonal, Gasteltern und den Jugendlichen.

Fazit
Für alle Beteiligten sind es die guten Bilder vom Gelingen, die Orientierung und Motivation bringen: entgegen den Prophezeiungen einiger Fachleute bleiben die Jugendlichen auf dem Land und wollen durchaus in Gastfamilien leben. Wichtig ist, dass die Jugendlichen sich angenommen fühlen und professionell begleitet aktiv eine Perspektive entwickeln können, die ihre hohe Motivation nutzt. Dazu bieten gerade die Gastfamilien mit ihrem Engagement und ihrem sozialen Umfeld oft hervorragende Möglichkeiten, auch wenn wichtige Fragen insbesondere bezüglich der schulischen und beruflichen Integration noch offen stehen.
Ein Nebeneffekt sei hier nicht unerwähnt: diese Form der Hilfe ist zudem erheblich weniger kostenintensiv und bindet deutlich weniger Fachkräfte als andere stationäre Formen. Dies könnte - je nachdem, wie die Entwicklung in 2016 weitergeht - eine noch größere Rolle spielen, als das sie es jetzt schon tut.

(Stand: März 2016)

Pressemitteilung "Bürgerschaftliches Engagement professionell unterstützt: Gastfamilien für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge weiter gesucht" (04.12.2015)

Petra Quast (Teamleiterin im Bereich Soziale Dienste des Kreises Euskirchen, l). im Gespräch mit einer interessierten Gastfamilie. | Foto: © Kreis Euskirchen Großbildansicht

Mohammed war 11 Jahre alt, als er zusammen mit seiner Mutter und seinen zwei Geschwistern aus Afghanistan in den Iran floh, nachdem sein Vater von den Taliban erschossen wurde. Dort lebte die Familie von Gelegenheitsjobs, eine Schule konnte Mohammed nicht besuchen. Als er 14 Jahre alt war, wurde er von seiner Mutter auf die Reise nach Europa geschickt, damit er ein besseres Leben in Sicherheit führen kann. Nach viermonatiger, riskanter Reise kam er in Aachen an, wo er zunächst in einer Notunterkunft betreut wurde und nun an den Kreis Euskirchen weitervermittelt wird. Kontakt zu seiner Familie hat er nicht.

Es sind Lebensläufe wie diese, mit denen sich das Jugendamt des Kreises in diesen Wochen verstärkt beschäftigt "Wir erwarten bis zu 120 jugendliche alleinreisende Flüchtlinge, für deren Versorgung, Förderung und Integration wir verantwortlich werden." sagt Erdmann Bierdel, Leiter des Jugendamtes. Seit Mitte September sucht das Jugendamt dabei vor allem Gastfamilien, ehrenamtliche Vormünder und Alltagsübersetzer für die Betreuung der Jugendlichen - mit großem Erfolg: "Wir haben bereits 30 Gastfamilien kennen gelernt und geprüft, dort können 45 Jugendliche ein neues Zuhause finden." freut sich Benedikt Hörter, der Leiter der Sozialen Dienste des Jugendamtes. Derzeit sind 11 Jugendliche in Gastfamilien untergebracht, die Erfahrungen sind sehr ermutigend. "Natürlich ist das ein sehr aufregender Prozess sowohl für die Familie als auch für den Jugendlichen." weiß Petra Quast, die als Teamleiterin sowohl Gastfamilien geprüft hat als auch selber einige Vermittlungen begleitet hat. "Es ist eine beeindruckende Bereitschaft der Gastfamilien zu spüren, sich für die Jugendlichen einzusetzen und den Jugendlichen tatsächlich die Möglichkeit zu geben, sich in ihr Lebensumfeld zu integrieren." so Quast weiter.

Um sich auf die Aufnahme weiterer jugendlicher Flüchtlinge vorzubereiten, sucht das Jugendamt weiterhin Familien, die über ausreichend Platz und Zeit verfügen und bereit sind, neue interkulturelle Erfahrungen mit den zumeist aus arabischen Ländern stammenden, männlichen Jugendlichen zu machen. Dabei werden die Familien von Anfang an durch das Jugendamt und von dort beauftragten Fachkräften unterstützt. "Für uns ist wichtig, dass es weder für die Familie noch für den Jugendlichen zu einer Überforderungssituation kommt." stellt Erdmann Bierdel klar. Für den Lebensunterhalt der Jugendlichen wird ein Pflegegeld gezahlt.

Wer sich für die Tätigkeit als Gastfamilie interessiert, ist herzlich zu einer Informationsveranstaltung am 14.12.2015 um 18:00 Uhr im Sitzungssaal 1 im Kreishaus, Jülicher Ring 32, Euskirchen, eingeladen. Für Nachfragen und weitere Informationen steht Erdmann Bierdel zur Verfügung, am besten per Email: erdmann.bierdel@kreis-euskirchen.de.

Pressemitteilung "Unbegleitete jugendliche Flüchtlinge - Hilfsbereitschaft der Bevölkerung hält an" (30.10.2015)

Wieder ein volles (Kreis-)Haus: obwohl erst Mitte September rund 160 Bürgerinnen und Bürger an einer Infoveranstaltung des Kreises zur Zusammenarbeit von Ehrenamt und Jugendamt bei der Betreuung der unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen teilgenommen hatten, kamen erneut über 80 Interessierte zu einer zweiten Informationsveranstaltung.

"Die Resonanz aus der Bevölkerung sich für unbegleitete Minderjährige zu engagieren ist ganz offensichtlich im Kreis Euskirchen ungebrochen, dafür danke ich Ihnen ganz herzlich!", sagte der sichtlich beeindruckte Leiter der Sozialen Dienste der Abt. Jugend und Familie, Benedikt Hörter in seiner Begrüßung.

Das Publikum wurde durch mehrere Fachleute des Jugendamtes sowie des Kommunalen Bildungs- und Integrationszentrums (KoBIZ) über die Herkunftsländer und Fluchtwege der zumeist 15-17jährigen, männlichen Flüchtlingen sowie den gesuchten ehrenamtlichen Tätigkeiten als Gastfamilie, Vormund und Alltagsübersetzer informiert. Der Kreis Euskirchen setzt in besonderer Weise auf "Integration durch Begegnung" zwischen den jugendlichen Flüchtlingen und den ehrenamtlich Tätigen, die bei ihrem Einsatz intensiv durch hauptamtliche Kräfte unterstützt und begleitet werden. "So kann die Integration am besten gelingen, ohne die engagierten Bürgerinnen und Bürger und auch die Flüchtlinge zu überfordern", meint Benedikt Hörter.

Gastfamilien und Vormünder werden vor ihrem Einsatz geprüft und geschult.

Interessierte können sich auch weiterhin an den Leiter des Jugendamtes, Erdmann Bierdel (erdmann.bierdel@kreis-euskirchen.de) wenden.

Pressemitteilung "Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - wer hilft mit?" (16.10.2015)

Manfred Poth, Allgemeiner Vertreter des Landrates, begrüßt bei der Erstveranstaltung die interessierten Gäste. | Foto: © Dagmar Berens, Kreismedienzentrum Großbildansicht

Neuauflage der überaus erfolgreichen Informationsveranstaltung vom 17.09.2015 über die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

Der Kreis Euskirchen hatte am 17.09.2015 interessierte Bürgerinnen und Bürger ins Kreishaus eingeladen, die sich vorstellen können, gemeinsam mit dem Jugendamt an der Betreuung von unbegleiteten ausländischen Minderjährigen mitzuwirken.
Das Interesse am bürgerschaftlichen Engagement war sehr groß: über 160 Interessentinnen kamen ins Kreishaus und wurden zu den Herkunftsländern, den Fluchtwegen und den Planungen des Kreises für die in der Regel über 15 Jahre alten, zumeist männlichen Jugendlichen informiert. Weitere 40 Interessentinnen waren verhindert und haben darum gebeten, einen Ersatztermin zu bekommen.

Im November soll ein neues Verfahren für die Verteilung der bisher vor allem in Großstädten aufgegriffenen Jugendlichen auf alle Jugendämter in Kraft treten. Zwischenzeitlich kam es aber im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme von Flüchtlingsunterkünften im Kreis Euskirchen schon jetzt vermehrt zur Aufnahme von unbegleiteten ausländischen Minderjährigen; derzeit werden 20 jugendliche Flüchtlinge durch das Jugendamt des Kreises betreut.

Deshalb werden weiterhin Gastfamilien, ehrenamtliche Vormünder und Menschen, die in Alltagsdingen übersetzen können, gesucht - gerne mit eigenem Migrationshintergrund -, die sich dafür interessieren, mit Unterstützung der Jugendhilfe junge Menschen zunächst bis zur Volljährigkeit zu betreuen. Während Gastfamilien jugendliche Flüchtlinge in den eigenen Haushalt aufnehmen, kümmern sich ehrenamtliche Vormünder mit Unterstützung der Abteilung Jugend und Familie um die rechtliche Vertretung der Jugendlichen und halten den Kontakt zu ihnen.

Alle Bürgerinnen und Bürger, die sich in den genannten Feldern für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge einsetzen wollen, sind herzlich eingeladen, am 27.10.2015 um 17:00 Uhr an einer erneuten Informationsveranstaltung im Sitzungssaal 1 der Kreisverwaltung, Jülicher Ring 32, 53879 Euskirchen, teilzunehmen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter der E-Mail Adresse: erdmann.bierdel@kreis-euskirchen.de

Pressemitteilung "Unbegleitete ausländische Minderjährige - wer hilft mit?" (22.09.2015)

Junger Flüchtling fragt: Wer hilft mit? | Foto: © Landesjugendamt NRW Großbildansicht

Unter diesem Titel fand gestern im Kreishaus Euskirchen eine Veranstaltung statt, zu der die Jugendabteilung des Kreises eingeladen hatte.

Der Allgemeine Vertreter des Landrats und zugleich Geschäftsbereichsleiter "Bildung, Gesundheit, Jugend und Soziales", Manfred Poth, begrüßte die rund 160 Gäste im voll besetzten Sitzungssaal des Kreishauses. Er dankte herzlich für das außerordentliche Interesse an diesem Thema, welches durch die jüngsten Entwicklungen eine enorme Bedeutung bekommen hat. "Gestern sind 196 Flüchtlinge in Euskirchen angekommen, die in der Notunterkunft an der Thomas-Eßer-Straße untergebracht wurden. Seit einigen Wochen leben schon etwa 130 Flüchtlinge in der Notunterkunft in Schleiden-Gemünd", berichtete Poth über die aktuelle Lage im Kreis. Er erklärte weiter, dass das Land dem Kreis Euskirchen insgesamt noch weit mehr Flüchtlinge zuweisen würde, allein in Euskirchen bis zu 500. Damit kämen große Unterbringungs- und Betreuungsaufgaben auf den Kreis und seine Kommunen zu, so Poth weiter. "Bei den Flüchtlingen sind auch immer wieder unbegleitete, minderjährige Jugendliche dabei. Gestern waren es vier. Um diese kümmern sich nun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendabteilung", stellte Poth die aktuelle Lage fest. Und weiter: "Der Flüchtlingsstrom ist ungebrochen und die Anzahl nimmt weiter rasant zu. Das heißt für uns, dass in Zukunft immer mehr minderjährige, unbegleitete Jugendliche betreut und untergebracht werden müssen", schloss Poth seine Begrüßung.

Er übergab an Jugendamtsleiter Erdmann Bierdel, der in seiner kurzen Einführung zum Fazit kam, dass damit zu rechnen sei, dass in Zukunft ca. 50 unbegleitete Jugendliche im Kreis versorgt werden müssten. Eines sei besonders wichtig: die enge Verknüpfung von ehrenamtlich helfenden Bürgerinnen und Bürgern mit der professionellen Unterstützung der Jugendämter und vieler anderer Organisationen. "Der Kontakt zwischen den Jugendlichen und den ehrenamtlich Tätigen kann eine zentrale Rolle für die Integration spielen." so Bierdel.

Roland Kuhlen vom Kommunalen Bildungs- und Integrationszentrum (KoBIZ) informierte über die Themen: Woher kommen die minderjährigen Flüchtlinge? Was sind die Fluchtgründe?
Er nannte als die fünf stärksten Herkunftsländer Syrien, Irak, Afghanistan, Eritrea und Somalia. Er wies ausdrücklich darauf hin, dass die Schutzquote minderjähriger Flüchtlinge aus diesen Ländern bei nahezu 100% liegt. Das bedeutet, dass diese jungen Menschen auf relativ lange Zeit, u.U. viele Jahre, in Deutschland bleiben werden. Als häufige Fluchtgründe nannte er Krieg, Zwangsheirat, Gewalt in der Familie und wirtschaftliche Not.

Ermann Bierdel berichtete über die größtenteils abenteuerlichen, oft gefährlichen, fast immer aber beschwerlichen und kräftezehrenden Fluchten, die die jungen Menschen hinter sich haben. Er zeigte eindrucksvolle Bilder von Booten und Schiffen mit Flüchtlingen auf dem Mittelmeer, die geretteten Insassen und ihre Versorgung in Griechenland sowie ihr Weg bis zur Ankunft in Deutschland.
Er schilderte dann das Verfahren, welches ab 2016 gelten wird. z.Z., so Erdmann Bierdel, seien in Nordrhein-Westfalen etwa 3000 minderjährige Flüchtlinge in Obhut genommen, eine Zahl, die aufgrund der Flüchtlingswelle weiter steigen würde. Damit wären die NRW-Jugendämter nicht mehr in der Lage, eine ordnungsgemäße Versorgung der jungen Menschen zu gewährleisten. Deshalb planen Bund und Land NRW, dass ankommende, minderjährige Flüchtlinge nach der Ersterfassung und medizinischen Versorgung innerhalb einer angemessenen Frist an andere Jugendämter abgegeben werden sollten. Hierbei wären natürlich Kriterien wie z.B.: Leben evtl. schon Verwandte in Deutschland? Sind Geschwister schon anderswo untergebracht? zu berücksichtigen.

Benedikt Hörter, Leiter der Sozialen Dienste im Kreis, stellte anschließend die Projektidee "Leben in Gastfamilien" vor. Inhalte seiner umfangreichen Informationen waren: Welche räumlichen, wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen müssen Gastfamilien erfüllen, um einen minderjährigen Flüchtling aufnehmen zu können? Hierzu gehören z.B.:
• genügend Wohnraum, Zeit und gesicherte wirtschaftliche Verhältnisse
• Gesundheits- und polizeiliche Führungszeugnisse
• interkulturelle Offenheit
• Kooperationsbereitschaft mit diversen Einrichtungen der Jugendhilfe
• Distanzfähigkeit
• Reflektionsfähigkeit; d.h., das Erkennen eigener Grenzen Familien, die unbegleitete ausländische Minderjährige für den Kreis aufnehmen, sollen nach der Konzeptidee professionell von sozialpädagischen Fachkräften unterstützt werden.

Da die unbegleiteten Jugendlichen auch dann, wenn sie in Gastfamilien untergebracht sind, immer einen Vormund benötigen, informierten Theresia Kania und Claudia Simon rund um das Thema: Vormundschaften. Inhalte waren:
• Was ist ein Vormund?
• Welche Aufgaben hat ein Vormund
• Welche Voraussetzungen muss ein Vormund mitbringen?
• Wie ist die Rechtsstellung eines Vormundes?
Ehrenamtliche Vormundschaften sind nach dem Gesetz vorrangig einzurichten. Interessenten werden für ihre Aufgabe als Vormund geschult und auch während ihrer Tätigkeit durch die Fachkräfte des Jugendamtes unterstützt. Roland Kuhlen berichtete abschließend noch über den ehrenamtlichen Einsatz von Sprachmittlern und Übersetzungshelfern. Dies sind Ehrenamtler, die der Heimatsprache der minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlinge mächtig sind und diese z.B. bei Behördengängen unterstützen. Sie ersetzen aber keine professionellen Dolmetscher.

In seinem Schlusswort verwies Erdmann Bierdel auf die von der Homepage des Kreises, zu finden unter: www.kreis-euskirchen.de, aufzurufende Seite "Ehrenamt" (rechts, in der Infobox: Aktuelles). Hier finden Familien, die gerne einen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtling aufnehmen möchten, ein Formular, mit dem sie ihre Bereitschaft zur Aufnahme melden können. Die Jugendabteilung wird sich dann zügig mit der interessierten Gastfamilie in Verbindung setzen und alles Weitere in die Wege leiten.

Im Anschluss an die Vorträge hatten die Bürgerinnen und Bürger noch Gelegenheit, Fragen zu stellen. Hiervon machten sie reichlich Gebrauch. Die Fragen wurden von den Referenten des Abends umfassend und kompetent beantwortet.

Hier die Kontaktdaten der Ansprechpartner im KoBIZ und der Jugendabteilung:
- Roland Kuhlen (02251/15 538), KoBIZ
- Theresia Kania (02251/15 631) und Claudia Simon (02251/15 678) Vormünderinnen, Abt. Jugend und Familie
- Benedikt Hörter (02251/15 639), Leiter der Sozialen Dienste, Abt. Jugend und Familie
- Erdmann Bierdel (02251/15 641), Leiter der Abteilung Jugend und Familie

Pressemitteilung "Informationsveranstaltung: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - wer hilft mit?" (03.09.2015)

Der Kreis Euskirchen bemüht sich bereits jetzt - gemeinsam mit zahlreichen anderen Initiativen vor Ort - aktiv um die Unterstützung von Flüchtlingen im Kreis Euskirchen. In diesem Feld arbeitet der Kreis Euskirchen an folgenden Themen: Verbesserung der Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen durch Beratung zum Schul- und Bildungssystem | Förderung der Mehrsprachigkeit an Schulen | interkulturelle Öffnung von Institutionen und Einrichtungen | Beratung von Menschen mit Migrationshintergrund.

Das Kommunale Bildungs- und Integrationszentrum (KoBIZ) arbeitet an der Umsetzung von Ideen, Konzepten und Projekten für und mit Menschen mit Migrationshintergrund im Kreis Euskirchen. Hier finden örtliche Initiativen und Interessierte Informationen, Unterstützung und Beratung. Aufgrund einer geplanten Gesetzesänderung ist nun absehbar, dass sich die Abteilung Jugend und Familie des Kreises Euskirchen zukünftig auch verstärkt um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kümmern wird, die derzeit vor allem in den Großstädten Aufnahme finden, wo sie zunächst angetroffen werden. Nach bisheriger Einschätzung werden es insbesondere über 16-jährige junge Menschen aus dem Irak, Syrien, Eritrea, Somalia und Afghanistan sein.

Der Kreis Euskirchen bittet um Mithilfe von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die bereit sind, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu unterstützen.

Insbesondere werden Gastfamilien gesucht - gerne mit eigenem Migrationshintergrund -, die sich dafür interessieren, mit Unterstützung der Jugendhilfe Jugendliche bis zur Volljährigkeit zu betreuen. Weiter wird aber auch um geeignete Vormünder geworben, die sich vorstellen können, sich mit Unterstützung der Abteilung "Jugend und Familie" um die rechtliche Vertretung der Jugendlichen zu kümmern und Kontakt zu den Jugendlichen zu halten. Ebenfalls benötigt werden Menschen, die in Alltagsdingen übersetzen können.

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass für die Gastfamilien, Vormünder und Dolmetscher/ Übersetzer keine Kosten entstehen. Diese trägt das Land Nordrhein-Westfalen.

Alle Bürgerinnen und Bürger, die sich in den genannten Feldern für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge einsetzen wollen, sind herzlich eingeladen: am 17.09.2015 um 17:00 Uhr im Sitzungssaal 1 der Kreisverwaltung, Jülicher Ring 32, 53879 Euskirchen an einer Informationsveranstaltung teilzunehmen.

Um die Veranstaltung organisatorisch gut vorbereiten zu können, wird um Anmeldung über die Homepage des Kreises: http://www.kreis-euskirchen.de/service/jugend_und_familie/fluechtl.php gebeten.

Pressemitteilung "Start des Pilot-Projektes 'Integration junger Flüchtlinge'" (21.08.2015

Beratungssituation mit dem zu beratenden jungen Flüchtling im Vordergrund. Im Hintergrund Team 1 (von links): Norbert Weber (Leitung Jugendmigrationsdienst Euskirchen), Pia Saleh-Witzler (Arbeitsagentur Euskirchen), Herr Taha (Tigrinya-Übersetzer) | Foto: © S. Görgen, KoBIZ Kreis Euskirchen Großbildansicht

Am 19.08.2015 hat im Jobcenter Euskirchen das erste von insgesamt drei Erstgesprächen im Pilot-Projekt "Integration junger Flüchtlinge" stattgefunden, das in Kooperation zwischen dem KoBIZ, der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter EU-aktiv, dem Deutschen Roten Kreuz und dem Jugendmigrationsdienst sowie dem Netzwerk von Dolmetschern an drei unterschiedlichen Standorten (Jobcenter Euskirchen, St. Barbara-Schule Mechernich und Berufskolleg Eifel in Kall) durchgeführt wird.

Zum Projekt-Hintergrund
Das Pilot-Projekt ist vor dem Hintergrund der in den vergangenen Jahren kontinuierlich steigenden Anzahl von Flüchtlingen, die vor politischer Verfolgung nach Deutschland fliehen und hier politisches Asyl bzw. die Gewährung internationalen Schutzes beantragen, entstanden. Für das Jahr 2015 prognostiziert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eine weitere Steigerung der Zahl neuer Asylanträge. Bei vielen Flüchtlingen ist die Bleibewahrscheinlichkeit aufgrund der politischen Situation in ihren Herkunftsländern hoch, sodass Fragen der Integration in Ausbildung und Beschäftigung von Anfang an von Bedeutung sind. Zudem ist Asylsuchenden der Arbeitsmarktzugang durch eine im November 2014 in Kraft getretene Rechtsänderung nun bereits nach drei Monaten möglich. Somit gibt es sehr schnell Handlungsbedarf bei grundlegender allgemeinsprachlicher und darauf aufbauender berufsbezogener Deutschförderung (Integrationskurs bzw. ESF-BAMFProgramm), der bei dieser Zielgruppe jedoch derzeit aus rechtlichen bzw. finanziellen Gründen nicht gedeckt werden kann. Eine frühzeitige Arbeitsmarktintegration ist nicht nur ein wesentlicher Baustein zur gesellschaftlichen Integration, sondern dient auch dazu, die Gefahr von Langzeitarbeitslosigkeit durch langwierige Wartezeiten zu vermeiden. Auch vor dem Hintergrund aktueller Fachkräfteengpässe in Deutschland sollte das Potential von Flüchtlingen frühzeitig erhoben und für den Arbeitsmarkt genutzt werden. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

Die Projektbeteiligten: Sigrid Mitterer (Jobcenter EU-aktiv), Margit Winkler (Arbeitsagentur Euskirchen), Barbara Fischer (DRK Euskirchen), Norbert Weber (Leitung Jugendmigrationsdienst Euskirchen), Sabine Sistig (Teamleiterin KoBIZ), Josef Weingarten (Leitung Jobcenter Euskirchen), Bettina Ismar (Pädagogische Mitarbeiterin KoBIZ), Frau Al Mohamad (Arabisch-Übersetzerin), Pia Saleh-Witzler (Arbeitsagentur Euskirchen), Manfred Poth (Geschäftsbereichsleiter Bildung, Gesundheit, Jugend und Soziales) | Foto: © S. Görgen, KoBIZ Kreis Euskirchen Großbildansicht
Die Projektziele
Aus den o.g. Partnern wurden zwei multiprofessionelle Teams gebildet, die an den drei vorgesehenen Tagen jeweils rund 12 Personen in einem Team, d.h. insgesamt rund 72 Flüchtlinge beraten sollen. Team 1 wird gebildet von Frau Saleh-Witzler (Arbeitsagentur Euskirchen) und Herrn Weber (Jugendmigrationsdienst Euskirchen) und Team 2 von Frau Winkler (Arbeitsagentur Euskirchen) und Frau Fischer (DRK Integrationsagentur Euskirchen). An Tag 1 sind zudem Frau Mitterer (Jobcenter Euskirchen) und an Tag 2 und 3 Herr Weischede (Jobcenter Euskirchen) als Unterstützung mit eingebunden.
Ziel der Erstgespräche ist es, die sprachliche wie schulische Ausgangssituation der Flüchtlinge und deren Berufswünsche aufzunehmen. Als Grundlage der Gespräche dient ein Profilbogen, der von den Partnern in einfach formulierter Sprache gemeinsam entwickelt und schließlich für die Zielgruppen in die jeweiligen Sprachen übersetzt wurde. Soweit möglich, sollen am Beratungstag zudem Zeugnisse und Dokumente vorgelegt werden, die die schulischen und beruflichen Qualifikationen belegen können.

Der erste Projekttag
Am ersten Projekttag kamen 10 von 20 erwarteten jungen Flüchtlingen aus Eritrea, Ghana, Guinea und dem Irak ins Euskirchener Jobcenter, wobei diejenigen aus dem erstgenannten Land mehrheitlich vertreten waren. Eingeladene Syrer nahmen das Gespräch nicht wahr. Im Folgenden werden vier Flüchtlinge, deren Namen zur Wahrung der Anonymität geändert wurden, exemplarisch vorgestellt.

Bei Gesprächsbeginn mit der 22-jährigen Milena K. aus Eritrea stellte sich heraus, dass sie der Sprache Tigrinya anders als angenommen nicht mächtig ist, sondern ein Dolmetscher in Arabisch oder Amanisch gefragt war. Spontan übernahm Herr Saleh, Ehemann von Frau Saleh-Witzler, die Übersetzung per Telefon. Während des Gesprächs stellte sich heraus, dass die junge Frau weder lesen noch schreiben kann und nie eine Schule besucht hat. Deutsch spricht sie kaum. Für das Team war schnell klar, dass zunächst ein Alphabetisierungskurs notwendig ist, welchen die junge Frau als Chance sieht.

Der 22-jährige Aman B. hat acht Jahre eine Schule in Eritrea besucht und spricht nur ein paar Worte Deutsch. Auf Tigrinya erzählt er, dass er in seinem Heimatland als Traktorfahrer auf dem Feld gearbeitet hat und ihm handwerkliches Arbeiten liegt. Gegenüber dem Projekt äußert der junge Mann: "Ich freue mich sehr, dass man mit dem Projekt versucht hat, eine Beziehung zu mir aufzubauen. Ich will nichts an Chancen verpassen." Nach dieser ersten Bestandaufnahme wird für ihn ein Deutsch-Intensivkurs an einer Euro-Schule als bestmöglicher Anschluss in den Unterlagen notiert. Aman B. äußert den Wunsch, dass dieser Schulbesuch so früh wie möglich beginnt, damit er auch seine Frau nach Deutschland holen kann.

Der 20-jährige Luam D. und der 22-jährige Tayo R. kommen beide aus Eritrea und haben keinen Schulabschluss. Sie sprechen sehr wenig Deutsch. Da sie sich bereits kennen, wurde das Erstgespräch mit beiden gemeinsam geführt. Luam D. hat auf der Farm seiner Eltern gearbeitet. Er ist sehr schüchtern, äußert aber nachdrücklich, dass es ihm sehr wichtig ist, einmal selbstständig Einkünfte zu erhalten. In Bezug auf mögliche berufliche Interessen ist er sehr unsicher und kann diese nicht einschätzen. Im Gespräch mit Tayo R. wird deutlich, dass er neben dem Beruf als Automechaniker oder Schreiner keine beruflichen Optionen kennt. Er äußert den einfachen Wunsch, Auto fahren zu lernen. Die beiden jungen Männer wussten nicht, warum sie zu dem Gespräch eingeladen wurden und waren am Anfang sehr skeptisch, inwiefern sie Unterstützung erwarten konnten. Tayo R. äußert nach dem Gespräch, dass er das Gespräch als "riesen Fortschritt" nach den eineinhalb Jahren, die er schon in Deutschland ist, sieht. Auch Luam D. schließt sich an, dass er sich nun "geleitet" fühle.

Resümee und Ausblick
Als Resümee des ersten Beratungstages heben die Teams die enorme Wichtigkeit, Deutsch in einem 6-monatigen Intensivkurs zu lernen, als zentrales Thema hervor. In einem nächsten Schritt sind Schulabschlüsse nachzuholen. "Ideal ist eine Kopplung von intensiven Sprachkursen und Praktika", so Josef Weingarten, Leiter des Jobcenters EU-aktiv. Dass eine Aufklärung über mögliche Ausbildungsberufe ebenso wichtig ist, gilt als weiteres allgemeines Fazit des ersten Projekttages. In diesem Punkt sind sich auch die Dolmetscher einig; viele der Flüchtlinge zeigten sich mit den Fragen nach Berufswünschen und Fähigkeiten überfordert, da ihnen solche Fragen noch nie gestellt wurden. Dem allgemeinen Fazit schließt sich auch Manfred Poth, Geschäftsbereichsleiter Bildung, Gesundheit, Jugend und Soziales beim Kreis Euskirchen, an und formuliert nachdrücklich die Wichtigkeit, eine noch engere Kooperation mit Betrieben zu führen, die willig sind, Flüchtlingen in einem Praktikum eine wichtige Chance zu geben. Letztlich steht über allem der politische Wille. Am 7. und 9. September finden Nachtreffen statt, in welchen weitere, passgenaue Schritte für die jungen Flüchtlinge konkretisiert werden sollen.



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