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Rubrikillustration Kreishaus
Karte - Euskirchen

Wir stellen vor ...

Auf dieser Seite finden Sie in regelmäßigen Abständen Portraits über Mitarbeiter der Kreisverwaltung. Zudem werden hier interessante Arbeitsplätze innerhalb der Kreisverwaltung vorgestellt.

Marcus Sprung - Der Ganzjahres-Fahrradfahrer (November 2016)

Marcus Sprung ist Fahrradbeauftragter bei der Kreisverwaltung Euskirchen | Foto: © Wolfgang Andres Großbildansicht

Für viele Hobby- und Schönwetterradler ist der November nicht unbedingt die Jahreszeit für ausgedehnte Fahrradtouren. Im Gegenteil: Das Sommerrad wird warm und trocken in der Garage oder im Keller geparkt, für kleinste Besorgungen muss das Auto herhalten. Marcus Sprung dagegen lässt sich von Winter und Wetter nicht vorschreiben, wann er Fahrrad fährt. Er fährt nahezu täglich mit dem Rad von Euenheim nach Euskirchen zur Arbeit - ganzjährig!

Und das macht er nicht bloß, weil er der "Fahrradbeauftragte" der Euskirchener Kreisverwaltung ist, er quasi mit gutem Beispiel vorangehen bzw. voranfahren  muss. Nein, Marcus Sprung ist mit Leib und Seele überzeugter Fahrradfahrer. Und sein Blick geht manchmal ein wenig neidisch über den Kreis Euskirchen hinaus in Richtung Holland: "Das Fahrrad genießt in den Niederlanden einen wesentlich höheren Stellenwert als in Deutschland", sagt der 41-Jährige. "Die Holländer bekommen das Fahrrad-Gen schon mit in die Wiege gelegt - neben dem Wohnwagen-Gen", sagt er und schmunzelt.

Doch auch bei uns hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten einiges für die Fahrradfahrer zum Guten gewendet. Auch wenn klar ist, dass der ländliche Kreis Euskirchen immer noch ein "Autofahrer-Kreis" ist. Der Anteil der Einwohner, die ein Auto besitzen, ist hierzulande deutlich höher als im Bundesdurchschnitt. "Dennoch muss man nicht für jeden kleinen Einkauf ins Auto steigen", kritisiert Marcus Sprung. "Zumindest dann nicht, wenn Geschäfte, Arzt oder Banken in einem Umkreis von rund drei Kilometern sind." Mit Pedelcs und E-Bikes ließen sich auch die Eifelberge im südlichen Kreisgebiet im "Spazierfahrt-Modus" bewältigen.

Das war Anfang des neuen Jahrtausends noch ein wenig anders. Als Marcus Sprung 2002 in der Kreisverwaltung anfing, gab es noch keine Fahrräder mit Elektromotor, und als einziges touristisches Angebot musste die überregionale Wasserburgenroute (Bonn-Euskirchen-Aachen) herhalten. Doch der Kreistag fällte eine zukunftsweisende Entscheidung: Der Kreis Euskirchen wurde Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise (AGFS). Und mit Marcus Sprung nahm sich gleich jemand "hauptberuflich" dem Fahrradthema an, bis er kurz darauf von Landrat Günter Rosenke offiziell sogar zum Fahrradbeauftragten ernannt wurde.

Seitdem hat sich viel getan. Einige touristische Meilensteine: Die Tälerrouten- und Eifelhöhen-Route wurden 2004 ausgewiesen und beschildert, bis 2005 wurde der Ahrtalradweg auf der ehemaligen Bahntrasse gebaut. Seitdem wird jährlich die "Tour de Ahrtal" veranstaltet, das mit Abstand größte Fahrrad-Event in der gesamten Region. Der Radwege-Plan für den Nationalpark Eifel, der Bau des Kyllradweges und zuletzt der Mountainbike-Tourenpark "freifahrt Eifel" waren weitere Großprojekte, die den Kreis Euskirchen touristisch aufgewertet haben. Wichtig ist auch die permanente Instandhaltung der Radwege - eine anspruchsvolle  Aufgabe, die man nicht aus den Augen verliert.

Abgesehen davon soll das Fahrradfahren in Zukunft stärker im Alltag verankert werden. "Ich möchte mit meiner Arbeit ein Umdenken in den Köpfen bewirken", betont Marcus Sprung. Als "Mobilitätsmanager" sieht er das Fahrrad im Zusammenhang mit Bus und Bahn. "Unser Ziel ist die Sicherung einer umweltverträglichen Mobilität. Aus Umwelt- bzw. Klimaschutzgründen wollen wir weniger Autoverkehr, dafür mehr Bus und Bahn, mehr Rad- und Fußverkehr", so Sprung. In Zukunft soll dabei das Thema "Bike & Ride" eine größere Rolle spielen. Vor allem das Fahrradparken an Haltestellen von Bus und Bahn soll mit dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) ausgebaut werden. "Wir können uns auch sehr gut ein Fahrrad-Verleihsystem im ländlichen Raum vorstellen - sowohl für Touristen wie auch für Kreisbürger."

Das ist noch Zukunftsmusik. Aber klar ist: In Sachen Mobilität wird sich auch im Kreis Euskirchen in den kommenden Jahren einiges ändern. Vielleicht nimmt sich unsere Region ja ein Beispiel an den Niederlanden? Marcus Sprung: "Zumindest in Sachen Fahrrad wäre das wünschenswert, nicht unbedingt bei den Wohnwagen…"

Seit 2002 ist der Kreis Euskirchen offiziell ein "fahrradfreundlicher Kreis". Das dazu erforderliche Zertifikat ist in diesen Tagen zum zweiten Mal verlängert worden. Nach Überzeugung der AGFS-Kommission ist der Kreis damit auf dem richtigen Weg hin zu einem - wie es heißt - "nahmobilitätsfreundlicheren Lebensraum". 

Heike Pütz - Die Hüterin des historischen Erbes (August 2016)

Ein Job für Allrounder: Heike Pütz leitet Kreisarchiv und Kreisbibliothek | Foto: © Wolfgang Andres Großbildansicht

Wenn es um die Zukunft der Vergangenheit geht, dann ist man bei Heike Pütz an der richtigen Adresse. Sie ist Leiterin des Kreisarchivs und der Kreis-Bibliothek und damit sozusagen die Hüterin des historischen Erbes im Kreis Euskirchen.

Die ältesten Akten sind mittlerweile 200 Jahre alt, sie stammen aus der Zeit, als das Rheinland preußisch wurde und die Landkreise gegründet wurden. 4.100 Regalmeter umfasst der Bestand mittlerweile, der im Untergeschoss des Kreishauses bei einer konstanten Temperatur von 18 °C und einer Luftfeuchte von 60 Prozent feuersicher gelagert wird. Von Verwaltungsakten aus den ehemaligen Landratsämtern Euskirchen und Schleiden über Sammlungen von öffentlichen Personen oder Vereinen bis zu Zeitungsbeständen wie dem "Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden" reicht die Palette - eine wahre Fundgrube für alle Heimatforscher.

Wer das Archiv in der Bürgermagistrale des Kreishauses zum ersten Mal besucht, ist angenehm von der hellen und freundlichen Atmosphäre überrascht. "Archive stehen in demselben Rufe der Unheimlichkeit, wie Burgverließe und Verbrecherkerker, in welchen Unken, Ottern, Schlangen, Molche, Kobolde und böse Geister ihr Unwesen treiben", zitiert Heike Pütz aus einem alten Lehrbuch über das Berufsbild des Archivars. Sie schmunzelt: "Ganz so düster und unheimlich ist es hier nicht…"

Im Gegenteil. Das Kreisarchiv ist im modernen Anbau der Kreisverwaltung untergebracht, die Räume sind lichtdurchflutet, es gibt zahlreiche Arbeitsplätze und viele Bücher, die zum Schmökern einladen. Die gehören zur Kreisbibliothek, einer Spezialbibliothek zu Geschichte, Kultur, Brauchtum und Naturkunde des Kreises Euskirchen und der Eifel. Hier findet sich fast alles, was einen Bezug zum Kreis hat - vom Eifelkrimi bis zum Wanderbuch, vom Burgenführer bis zu Biografien. Und das Schönste: Die Bücher kann man nicht nur hier lesen, sondern auch gegen eine geringe Gebühr ausleihen.

Aber wie wird man eigentliche Archivarin? Und was ist so spannend an dem Beruf? Heike Pütz hat nach dem Abitur eine Ausbildung im Bundesarchiv in Koblenz begonnen, wo die Unterlagen der Bundesregierung aufbewahrt wurden. Die Ausbildung dauerte drei Jahre und umfasste neben dem praktischen Teil im Archiv auch viel Theorie, die an der FH des Bundes in Köln und an der Archivschule in Marburg vermittelt wurde. Am Ende war Heike Pütz "Diplom-Archivarin FH" und durfte gleich von Koblenz nach Bonn wechseln, und zwar ins Archiv des Auswärtigen Amtes. "Es ist schon etwas Besonders, wenn man das Original des Hitler-Stalin-Paktes vor sich hat oder zuletzt den Zwei-plus-Vier-Vertrag, der die deutsche Einheit ermöglicht hat", so die 47-Jährige, die sich gerne an die Zeit in Bonn erinnert.

Die Wiedervereinigung war dann "schuld", dass sie in Euskirchen gelandet ist. "Als der Umzug des Auswärtigen Amtes nach Berlin anstand, habe ich mich aus familiären Gründen dagegen entschieden", sagt sie rückblickend. Da passte es perfekt in die persönliche Lebensplanung, dass im Kreis-Archiv in Euskirchen eine Stelle frei wurde. Hier ist sie seit dem Jahr 2000 sowohl Leiterin des Archivs wie auch der Bibliothek.

"Ich mag die Arbeit als Allrounderin", betont sie. "In unserem Kommunalarchiv bin ich von der Haushaltsplanung über die Annahme von Aktenbeständen bis hin zur großen Zukunftsausgabe der Digitalisierung für alles verantwortlich." Und da sie wortwörtlich an der Quelle sitzt, kann sie auch eigenen Forschungsaufgaben nachgehen. Jüngstes Ergebnis ist das Postkartenbuch "Das müsstest Du sehen, es ist großartig: Der Kreis Euskirchen in alten Ansichten" (19.95 Euro, Buchhandel).

Großartig ist auch das Archiv - und freundlich ist nicht nur das Ambiente, sondern auch die Team um Heike Pütz. Denn hier findet man nicht nur "alte Akten und verstaubte Bücher", sondern man berät auch gerne in allen Fragen rund um Familien- und Regionalforschung.

Karl May-Gesellschaft
Winnetou und Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar: Im Kreis Euskirchen ist Heike Pütz eine große Kennerin, wenn es um Karl May und dessen Helden geht. Die Dürschevenerin ist ehrenamtliches Mitglied der Karl May-Gesellschaft, mit 1800 Mitgliedern die größte literarische Gesellschaft in Deutschland.

Schulbildungspartnerschaft
Regelmäßig steht Heike Pütz auch Schülern zur Seite, die für Facharbeiten im Archiv recherchieren. "Es ist für die Jugendlichen mal was ganz anderes, wenn sie regionale Quellen statt Google und Wikipedia nutzen." Das Kreisarchiv steht übrigens auch für Schulen als Bildungspartner zur Verfügung und gibt Kurse an der Volkshochschule zum Lesen und Übersetzen von alten Handschriften.

51 Jahre beim Kreis: Bernhard Siegel über Akten, Manteltage und Geldkoffer (Juli 2016)

Von der Obrigkeitsbehörde zum modernen Dienstleistungsunternehmen: Bernhard Siegel hat den Wandel im Öffentlichen Dienst in den vergangenen fünf Jahrzehnten miterlebt. Jetzt hat der Pensionär mehr Zeit für seine Hobbys Reisen und Wandern. | Foto: © Wolfgang Andres Großbildansicht

Wenn heute jemand 30 oder 40 Jahre bei ein und demselben Arbeitgeber tätig ist, dann ist das schon bemerkenswert. Dass jemand aber nach mehr als 50 Jahren in einem Unternehmen in den Ruhestand geht, dürfte rekordverdächtig sein. Bernhard Siegel hat dieses Kunststück geschafft: Nach genau 51 Jahren bei der Kreisverwaltung Euskirchen ist der 65-Jährige jetzt in Pension gegangen.

Wer rechnen kann, hat es gleich erkannt: Im zarten Alter von 14 Jahren hat der junge Bernhard 1965 seine Lehre "beim Kreis" begonnen. Der junge Lehrling, der in Enzen wohnte, kann sich noch sehr gut an seinen ersten Tag erinnern. Sein Arbeitsplatz war damals in der Euskirchener Bahnhofstraße, wo das Sozialamt in einer Nebenstelle untergebracht war. Hier machte er gleich an seinem ersten Tag Bekanntschaft mit einem zentralen Behördenelement, das ihn die folgenden 51 Jahre nicht mehr verlassen sollte - der Akte. "Mein damaliger Chef hat mir gleich die GR-Kontrolle übertragen, das heißt, ich durfte Akten nur 'Gegen Rückgabe' herausgeben und musste auch kontrollieren, dass sie anschließend wieder ordnungsgemäß zurückgegeben wurden."

Die GR-Verantwortung hat der junge Verwaltungslehrling offensichtlich zur Zufriedenheit seines Vorgesetzten ausgeübt. Denn schon bald "durfte" er sich in seiner Pause um dessen private Einkäufe kümmern. Sein Chef war Amateurfunker und benötigte immer wieder Widerstände, Dioden und Kondensatoren. "Nachher hatte ich echt Ahnung von dem Zeug", blickt Bernhard Siegel schmunzelnd zurück. "Es war halt eine ganz andere Zeit".

Gut gefallen hat ihm auch seine Aushilfstätigkeit in der Poststelle, als er mit einem Lastenfahrrad bei Wind und Wetter durch Euskirchen gefahren ist. Schwer beladen gab es auch schon mal bei Glatteis eine unsanfte Begegnung mit dem Asphalt, "aber dann stand man auf und weiter ging es."

Eine kurze Zeit fungierte er auch als so eine Art Bodyguard. Dazu muss man wissen, dass das Gehalt für die Angestellten und Beamten damals noch in bar ausgezahlt wurde. Wenn Zahltag war, musste das Geld von der Sparkasse geholt werden. Der Mann mit dem Geldkoffer wurde dann meistens von Azubis flankiert. "Das war für uns junge Burschen schon sehr aufregend."

Siegels erster Monatslohn betrug 75 DM. Allerdings wurde dieser Betrag in der Zeit beim Sozialamt noch um stattliche 15 DM aufgestockt, weil er dort auch für die Tuberkolose-Fürsorge tätig war und deshalb - wegen Ansteckungsgefahr - einen Zuschuss zum Kauf von Milcherzeugnissen erhielt. "Ich bin dann mit meiner Mutter zur Molkerei gegangen, wo wir mit dem Milchgeld eingekauft haben."

Nach dem Zusammenschluss der Altkreise Euskirchen und Schleiden wurde Bernhard Siegel in eine andere Außenstelle versetzt, ins ehemalige Waisenhaus an der Kommerner Straße. Hier war unter anderem das Straßenverkehrsamt untergebracht. "Das war eine schöne Zeit, wir waren eine große Gemeinschaft. Der Nachteil des alten Gebäudes: Die Heizung fiel öfters aus. Dann wurden die Mäntel angezogen und weiter ging es."

Mittlerweile hatte sich der einstige Verwaltungslehrling fest etabliert und über eine weitere Station - die Verwaltung der Polizei - den Aufstieg in den gehobenen Dienst und hier in den Bereich der Personalverwaltung geschafft. Danach ging es in den Bereich der Kommunalaufsicht. Dabei erinnert er sich gerne an seinen damaligen Chef Oberkreisdirektor Dr. Ingo Wolf zurück, vor allem an das Großprojekt der Einführung des Neuen Steuerungsmodells. "Ich bin mit Dr. Wolf durch halb NRW gefahren, um das Projekt in anderen Kreisen vorzustellen." Später arbeitete Bernhard Siegel in der Verwaltungsorganisation, zuletzt war er Leiter des Personalmanagements.

Wenn er heute zurückblickt, dann bleibt der enorme technische Fortschritt "auf dem Amt" hängen. So gab es Zeiten, als er telefonisch seine Briefe an die Schreibkräfte im Kreishaus diktierte. Erst einige Tage später bekam man dann den Brief. "Der erste Computer war eigentlich nicht mehr als eine bessere Schreibmaschine", so Siegel, der immer offen für neue Technik war. "Oder die ersten Telefone: schwere, schwarze Apparate mit Wählscheibe…"

"Nicht vergessen werde ich auch, dass in schweren Stunden Kolleginnen und Kollegen zu mir gestanden haben und sogar einmal eine Resolution zu meinen Gunsten verfasst haben. Dafür bin ich heute noch sehr dankbar."

Was bleibt nach 51 Jahren? "Die Arbeit hat mir bis zum Schluss Freude gemacht, ich konnte mich immer damit identifizieren", so der heute in Rheinbach lebende Pensionär, der auch heute jungen Menschen rät, bei entsprechendem Interesse eine Arbeit im Öffentlichen Dienst in Erwägung zu ziehen. Im Gegensatz zu früher seien die Ämter wie die Kreisverwaltung heute moderne Dienstleistungsunternehmen, in denen der Kunde im Mittelpunkt stehe. "Die Aufstiegschancen sind gut. Und die Bezahlung ist auch deutlich besser als in den 60er Jahren - auch wenn es heute kein Milchgeld mehr gibt."

Rückblickend auf seine Lehrlingszeit erinnert sich Bernhard Siegel auch noch gut an den damaligen Landrat Rudi Blass- und damit an eine weitere Tätigkeit, die heute nicht unbedingt im Lehrplan des Verwaltungsnachwuchses steht. "Bei Beerdigungen wurden wir immer als Kranzträger eingesetzt." Während der Landrat die Trauerrede hielt, mussten die Lehrlinge dafür sorgen, dass der Kranz rechtzeitig zum Grab getragen wurde. "Einmal wäre es fast schief gegangen, weil wir den Kranz zunächst nicht finden konnten. Die Rede des Landrates wurde immer länger und länger, er suchte verzweifelt nach Worten, bis wir den Kranz endlich von der Empore der Leichenhalle heruntergewuchtet und zur Grabstelle rangeschleppt hatten. Hat er uns aber nicht übel genommen…"

Friederike Büttner - Visionen von einem selbstbestimmten Leben im Alter in vertrauter Umgebung (Juni 2016)

Die neue Quartiersmanagerin im Kreis Euskirchen: Friederike Büttner sucht gemeinsam mit den Bürgern und lokalen Akteuren nach Möglichkeiten, wie man auch im Alter ein selbstbestimmtes Leben im gewohnten Wohnumfeld führen kann. | Foto: © Heike Schmitz / Kreis Euskirchen Großbildansicht

Ein selbstbestimmtes Leben im gewohnten Umfeld: Das wünschen sich die meisten Menschen auch im Alter. Doch hinsichtlich der Vereinbarkeit von Wunsch und Wirklichkeit zeigen sich verschiedene Herausforderungen. Die Anforderung, den Nahraum der Menschen "demografiefest" zu gestalten, kennt auch Friederike Büttner, die neue Quartiersmanagerin im Kreis Euskirchen. Sie möchte gemeinsam mit den Bürgern im Alter 50+ Konzepte entwickeln, wie das Leben im Alter für sie selbst in ihrem Wohnumfeld attraktiv gestaltet werden kann.

Das NRW-Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter unterstützt Kommunen und Kreise bei der Entwicklung altengerechter Quartiere mit einem gleichnamigen Förderprogramm. Dabei sollen vor Ort gemeinsam mit interessierten und aktiven Bürgern und lokalen Akteuren Ideen entwickelt werden, die es ermöglichen, dass Menschen so lange wie möglich zu Hause "Normalität im Alter" leben können. Thematisiert werden dabei Fragen zu den Themen "Versorgung", "Wohnen", "Gemeinschaft erleben" und "bürgerschaftliche Beteiligung". Als "Scharnier" zwischen allen Beteiligten soll die Quartiermanagerin Friederike Büttner für die nötige Vernetzung sorgen.

Die Berufsbezeichnung Quartiersmanagerin bezieht sich dabei auf die Bürgerbeteiligung und auf den kleinräumigen Ansatz - das Quartier. So wird der persönlich räumliche Bezugsrahmen von Menschen bezeichnet, in dem sie ihre sozialen Kontakte pflegen und ihr tägliches Leben gestalten.

Für das Förderprogramm "Entwicklung altengerechter Quartiere" hat sich der Kreis Euskirchen mit den Modelldörfern Scheven und Sistig, Ortsteile der Gemeinde Kall, beworben und eine Förderzusage erhalten. Die Erfahrungen, die hier gesammelt werden, sollen zusammengefasst und den anderen Kommunen des Kreises Euskirchen als Arbeitsgrundlage zugänglich gemacht werden.

Als neue Quartiersmanagerin stellt Friederike Büttner den Bewohnern in Sistig und Scheven die Frage, wie sich das Leben im Alter für sie anfühlen soll. Angesprochen werden dabei Frauen und Männer ab 50/55 Jahren, da sie sich mit ihren Optionen im Alter auseinandersetzen, Investitionsentscheidungen treffen und sich aktiv mit der Frage beschäftigen, wie das Leben im Alter gestaltet werden soll. Ziel ist es, jetzt schon die Weichen für ein Leben im Alter im gewohnten Wohnumfeld zu stellen.

Innerhalb solcher Beteiligungsprozesse wirken Quartiersmanager als Netzwerker, Unterstützer und Prozessbegleiter. Friederike Büttner erläutert: "Als Quartiersmanagerin setze ich mich dafür ein, dass alle Aktiven die Einschätzungen, Ideen und Pläne der anderen Akteure kennen, miteinander in Kontakt stehen und auf dieser Basis gemeinsam Projekte entwickeln und umsetzen können." Sie ergänzt: "Die Projektideen entstehen dabei aus dem Austausch der Akteure vor Ort, aus ihren Erfahrungen, Wünschen und Vorschlägen."

Dabei sind für Büttner, die bereits in Bad Wildungen als Quartiersmanagerin gearbeitet hat, sowohl Aufrichtigkeit als auch Transparenz wichtige Erfolgsfaktoren für den Prozess und für die Zusammenarbeit zwischen den Aktiven. "Der offene Austausch über die verschiedenen Wahrnehmungen, Ideen und Vorschläge ermöglicht das Herausarbeiten von Schnittmengen. Projektideen können gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden. Durch die Möglichkeit der Aufgabenverteilung kann sich der Arbeitsaufwand für jeden Einzelnen verringern und die Projekte, in denen auf diese Weise von Beginn an viele verschie¬dene Aspekte Berücksichtigung finden, erweisen sich häufig als erfolgreich und nachhaltig."

Vor diesem Hintergrund beginnt Friederike Büttner, in Absprache mit Vertretern der Gemeinde Kall und den Ortsvorstehern, ihre Arbeit in Scheven mit einer Befragung der Bewohner. In Sistig beschäftigt sie sich mit der Weiterentwicklung der Projektidee, ein Mehrfunktionenhaus zu initiieren, das Bewohnern für Aktivitäten zur Verfügung steht und in dem, neben einem Ausstellungsraum, verschiedene Dienstleistungsangebote geschaffen werden können. Zur Einbindung der Bewohnerinnen und Bewohner sind zeitnah offene Veranstaltungen geplant.

Friederike Büttner ist Ansprechpartnerin für alle, die sich für den Prozess Entwicklung altengerechter Quartiere im Kreis Euskirchen interessieren und Berührungspunkte mit diesem Thema haben. Kontaktdaten: Friederike Büttner, Kreis Euskirchen, Jülicher Ring 32, 53879 Euskirchen, Tel.: 02251-151312, E-Mail: friederike.buettner@kreis-euskirchen.de

Katrin Wolff und Rebecca Wiesen - Auf die richtige Karte gesetzt (Juni 2016)

Aus digitalen Daten "zaubern" sie übersichtliche Karten: Rebecca Wiesen (links) und Katrin Wolff arbeiten als Geomatikerinnen in der Abteilung Geoinformation, Vermessung und Kataster der Kreisverwaltung Euskirchen. | Foto: © Wolfgang Andres / Kreis Euskirchen Großbildansicht

Wenn Katrin Wolff und Rebecca Wiesen nach ihrem Beruf gefragt werden, dann wissen sie, dass jetzt eine längere Erklärung fällig wird. Denn mit dem Begriff "Geomatiker" kann kaum einer etwas anfangen. Dabei ist das Ergebnis ihrer Arbeit mittlerweile alltäglich. Wer eine Wanderkarte, eine Wegweiser-App oder ein Navi im Auto benutzt, kann sich bei Geomatikern bedanken. Denn die verwandeln digitale Daten in übersichtliche Karten - so wie die beiden Angestellten der Kreisverwaltung Euskirchen.

"Eigentlich wollte ich Tierärztin werden", blickt Katrin Wolff auf die Zeit ihrer Berufswahl zurück. " Aber ich kann kein Blut sehen", sagt sie und schmunzelt. Das Thema Tierärztin hatte sich damit schnell erledigt, ein Plan B musste her. Dass sie schließlich eine Ausbildung zur Geomatikerin machen würde, konnte sie damals noch nicht ahnen. "Den Beruf kannte ich damals noch nicht."

Über eine Stellenanzeige wurde sie darauf aufmerksam - und die Voraussetzungen stimmten. Mathematik war ihr Lieblingsfach und Kopfrechnen war ebenso wenig ein Problem wie räumliches Denken. Nach dem zweistündigen Eignungstest bei der Kreisverwaltung stürzte sich die junge Frau in den neuen Ausbildungsberuf, der unter anderem Elemente der Kartografie, der Vermessungstechnik und der Fotogrammetrie und Fernerkundung enthält. Die Jobaussichten waren und sind gut - und im ersten Ausbildungsjahr gibt es viel frische Luft als kostenlose Zugabe. Denn gemeinsam mit den Vermessungstechnikern ging es im ersten Jahr häufig nach draußen, um zu messen und Daten zu gewinnen.

Diese sogenannten Geobasisdaten werden dann im Kreishaus zusammen mit Daten von anderen Abteilungen in einem Geografischen Informationssystem (GIS) verarbeitet, in Karten umgesetzt und ausgewertet. "Wenn zum Beispiel Jäger wissen wollen, wo genau ihre Reviergrenze verläuft, dann können wir das anhand von Unterlagen heraussuchen und auf einer Karte darstellen", sagt die 20-jährige Schwerfenerin. In ihrer Projektarbeit hat sich Katrin Wolff alle analogen Bebauungspläne aus dem gesamten Stadtgebiet Zülpich zusammengestellt und sie digital erfasst. Wenn nun die Stadt Zülpich wissen möchte, wie weit ein Baugebiet beispielsweise von Windkraftanlagen entfernt ist, oder ob Altlasten in der Nähe sind oder wie der jeweilige Bodenrichtwert ist, dann lassen sich diese Fragen mit einigen wenigen Klicks beantworten und optisch übersichtlich anzeigen. In einem weiteren Bearbeitungsschritt können solche Daten auch dem Bürger über das Internet zugänglich gemacht werden, soweit dies unter Berücksichtigung des Datenschutzes möglich ist.

Mit dem Thema Geografie und Geofachdaten ist Rebecca Wiesen von Kindheit an vertraut. Die 25-Jährige ist auf einem Bauernhof in Hellenthal-Kamberg aufgewachsen, wo sie seit vielen Jahren für die Online-Prämienanträge zuständig ist - ein Thema, an dem kein Landwirt heute vorbeikommt. Über den Umweg des Geografie-Studiums ist auch sie schließlich in der Kreisverwaltung gelandet, wo sie jetzt im zweiten Ausbildungsjahr zur Geomatikerin ist.

Für die Felder rund um Ripsdorf hat sie in einer Projektarbeit alle unterirdisch verlegten Drainage-Rohre digital erfasst. Bisher existierten die Pläne nur auf den analogen Plänen der Unteren Landschaftsbehörde. "Jetzt hat man mit einem Klick alles auf einen Blick. Das ist wichtig wenn Baumaßnahmen anstehen, z.B. im Außenbereich ein neuer Stall gebaut oder ein neuer Lagerplatz angelegt werden soll. Außerdem kann bei etwaigen Reparaturmaßnahmen die Lage von defekten Drainagen einfacher und schneller aufgefunden werden.".
Nach Ripsdorf soll das Projekt jetzt auf das gesamte Kreisgebiet ausgedehnt werden.

Ob im Umweltschutz, in der Landwirtschaft, im Straßenbau oder bei der Erstellung von Apps oder Wanderkarten: Geomatiker kombinieren in ihrer Arbeit die Tätigkeitsfelder von Geografen und Informatikern. Die Azubis lernen nicht nur, Geodaten zu erfassen und sie optisch aufzubereiten, sie kümmern sich auch um die Kundenberatung und das Bereitstellung von Geodaten. "Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich", betont Katrin Wolff, die ihrem ursprünglichen Berufswunsch Tierärztin schon lange nicht mehr nachtrauert. Rebecca Wiesen geht's ähnlich. "Die praktische Arbeit hier gefällt mir viel besser als das Studium." Die beiden wissen, dass sie auf die richtige Karte gesetzt haben…

Ein Chauffeur mit Leib und Seele - Der Kreis Euskirchen ist sein Revier: Werner Krebs fährt Landrat Günter Rosenke von Termin zu Termin (April 2016)

Er hat seinen Traumjob gefunden: Werner Krebs (52) ist seit rund zehn Jahren Chauffeur von Landrat Günter Rosenke. | Foto: © Wolfgang Andres Großbildansicht

Er kennt den Kreis Euskirchen wie seine Westentasche. Von Losheim bis Metternich, von Rupperath bis Schöneseiffen dürfte es keine Ortschaft und keine Straße geben, die Werner Krebs nicht schon besucht bzw. befahren hat. Der 52-Jährige arbeitet bei der Kreisverwaltung Euskirchen seit rund zehn Jahren als Fahrer von Landrat Günter Rosenke. Und egal, ob der Landrat einen Termin bei einer Eifelvereins-Ortsgruppe im Süden des Kreises Euskirchen oder ein Vieraugengespräch mit einem Landesminister in Düsseldorf hat: Werner Krebs sorgt dafür, dass sein Chef pünktlich ankommt.

Verfahren verboten. Auf diese kurze Formel kann man den Anspruch bringen, den Werner Krebs an sich selbst stellt. Innerhalb seines Reviers, des Kreises Euskirchen, ist das eine seiner leichtesten Übungen. Wenn er außerhalb des Kreisgebietes in Bereichen von NRW unterwegs ist, die er nicht so gut kennt, dann macht er sich vorher schlau und informiert sich im Zweifelsfall auch bei Chauffeurskollegen. Das Navi ist natürlich auch eine große Hilfe, aber allein darauf möchte er sich nicht verlassen. "Kann nämlich auch mal schief gehen", sagt er und lacht.

Er erzählt von einer Fahrt mit Manfred Poth, dem Allgemeinen Vertreter des Landrats, für den er in den ersten Jahren tätig war. Es ging zu einer Besprechung ins Bergische, das Navi war programmiert, alles lief reibungslos. Bis sich der Computer meldete und mitten in der Prärie verlangte, in die nächste Straße rechts abzubiegen. Besserer Feldweg. Erste Zweifel sowohl beim Chauffeur wie auch beim Fahrgast. "Und plötzlich standen wir vor einem Forsthaus", sagt Werner Krebs.

Das Navi meldete: "Sie haben Ihr Ziel erreicht." Manfred Poth konterte: "Im Leben nicht!" Und er hatte natürlich recht. Nach einer kurzen Diskussion und einer raschen geografischen Recherche war der Fehler erkannt: Werner Krebs hatte das Ziel ohne Postleitzahl eingegeben, so dass ein falscher, aber namensgleicher Ort anvisiert worden war. "Wir haben herzlich gelacht und das Ziel dann doch noch erreicht. Sogar fast pünktlich", erinnert sich der Chauffeur.

Es gibt nur wenige solcher amüsanter Episoden, denn Werner Krebs bereitet sich immer akribisch auf seine Fahrten vor. Richtig verfahren hat er sich seit der Forsthaus-Tour nicht mehr, und von Autopannen ist er bisher auch verschont geblieben.

Dass er einmal den Chef der Kreisverwaltung und Kreispolizeibehörde von Termin zu Termin fahren würde, war in jungen Jahren nicht unbedingt absehbar. Nach einer Ausbildung zum Schlosser und vier Jahren bei der Bundeswehr fand er Ende der 80er Jahre eine Anstellung als Straßenwärter bei der Kreisverwaltung. Über das Tiefbauamt, wo er als Vermesser tätig war, kam er ins Katasteramt - alles Tätigkeiten, bei denen er das Kreisgebiet immer besser kennenlernte. "Von der belgischen Grenze bis zum Rhein-Sieg-Kreis: Nach einigen Jahren kannte ich jeden Ort, jeden Winkel und jede Waldlichtung", sagt er und schmunzelt.

Auch das dürfte ein Grund für Manfred Poth gewesen, ihm eine Stelle als Fahrer anzubieten. "Das war immer mein Traum", gibt er offen zu, und deshalb musste er auch nicht lange überlegen, bis er zusagte. Selbst seine geliebte Musik - Werner Krebs machte damals mit einem Freund Tanzmusik - konnte ihn nicht davon abhalten. "Mir war schon klar, dass jetzt viele Abend- und Wochenendtermine auf mich zukommen. Beides zusammen - Job und Musik - konnte nicht funktionieren. Also habe ich die Musik aufgegeben. Chauffeur ist man entweder ganz oder gar nicht." Das gilt im Übrigen auch für Willi Lehmann, der beim Kreis ebenfalls als Fahrer tätig ist und in erster Linie Manfred Poth zu dessen Terminen chauffiert.

Der Zeit als Hobby-Musiker trauert Werner Krebs auch nach mehr als zehn Jahren nicht hinterher. Aber ganz ohne Musik kann er dann doch nicht. Gemeinsam mit Landrat Günter Rosenke spielt er einmal im Jahr für den guten Zweck in der "BüLaRose-Band", außerdem sorgt er beim traditionellen Tollitätenempfang im Kreishaus für beste musikalische Unterhaltung.

Sein mobiler Arbeitsplatz ist derzeit ein Audi A8, "mein zweites Zuhause", sagt er und lacht. "Ein tolles Auto, in dem ich mich sehr wohlfühle. Und sicher." Das gilt auch für Landrat Günter Rosenke, der die vielen Stunden im Wagen zur Vorbereitung von Sitzungen und Besprechungen nutzt und dabei Akten liest oder Telefonate führt. Werner Krebs lässt sich davon nicht ablenken, seine Konzentration gilt dem Verkehr. "Ich konzentriere mich ganz auf meinen Job", sagt er. Und der Landrat weiß, dass er sich voll und ganz auf die Loyalität seines Fahrers verlassen kann.

40.000 Kilometer fährt Werner Krebs locker im Jahr mit dem A8. Während er hier von einer Top-Ausstattung profitiert, fährt er privat einen 16 Jahre alten Opel Zavira. "Da liegen Welten zwischen", betont er. "Aber auch damit fahre ich gerne." Allerdings keine 40.000 Kilometer im Jahr, bei Weitem nicht. "Der kommt nur auf der Kurzstrecke zum Einsatz", sagt der Oberwichtericher, etwa wenn er seine Frau Hedwig chauffiert. Ihr ist er sehr dankbar, dass sie seinen Beruf mit den unregelmäßigen  Arbeitszeiten mitträgt. "Das ist kein Problem für uns, das ist ja sein Job", sagt sie. "Und ich weiß, dass er ihm große Freude bereitet."

Dabei macht es ihm auch nichts aus, wenn sich die Landratstermine am Wochenende so richtig "knubbeln". Dann tüftelt er im Vorfeld eine Route aus, um seinen Chef möglichst stressfrei und zügig von einem Ort zum nächsten zu bringen. "Wenn es ganz eng wird, dann warte ich schon mit laufendem Motor auf ihn, damit wir unseren eng getakteten Zeitplan einhalten können." Bisher hat's immer noch funktioniert. Der Kreis Euskirchen ist halt "Werners Revier".




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