Haupttext | Hauptmenü | Untermenü | Infoboxen


Rubrikillustration Kreishaus
Karte - Euskirchen

Kreis Euskirchen - Der Landrat -
Newsletter
Mechernich: Blei-Screening geplant
Blei ist ein Schwermetall, das überall in der Umwelt vorhanden ist. Bei einigen Böden in Mechernich sind natur- und bergbaubedingt höhere Werte von Blei als an anderen Orten des Kreisgebietes messbar. Auch wenn seit Ende des Bergbaubetriebs in Mechernich keine Fälle von bleibedingten Erkrankungen dokumentiert sind, wird vereinzelt die Sorge geäußert, dass das Blei aus dem Boden zu einer erhöhten Belastung der Einwohner führen könnte. Um hierzu nähere Erkenntnisse zu sammeln, hat sich der Kreis Euskirchen entschlossen, eine orientierende Untersuchung der Bleibelastung im Blut bei Freiwilligen aus dem Mechernicher Stadtgebiet durchzuführen.
Die Untersuchung erfolgt durch das Gesundheitsamt des Kreises Euskirchen in Kooperation mit dem Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der RWTH Aachen (Leitung: Univ.-Prof. Dr. med. Thomas Kraus). Unterstützt wird das Vorhaben durch das Ordnungsamt der Stadt Mechernich, das Geoinformationsamt und das Umweltamt des Kreises Euskirchen.

Blei ist ein natürlicher Bestandteil der Erdkruste und kommt dementsprechend in allen Böden weltweit vor. Bundesweit werden die Bleikonzentrationen in Böden landwirtschaftlicher Flächen mit durchschnittlich 10-60 mg/kg, in Gartenböden großstädtischer Verdichtungsgebiete mit 50-150 mg/kg und in Böden belasteter Gebiete mit 500 bis zu über 2000 mg/kg angegeben.

Die Hauptquelle für Blei im Trinkwasser stellt nicht das Grundwasser, sondern Bleirohre in der Hausinstallation dar, aber auch verzinkte Stahlrohre können Blei absondern. Seit 1973 ist die Verwendung bleihaltiger Wasserleitungen verboten. Pro Liter Wasser dürfen nicht mehr als 0,010 mg Blei enthalten sein. Dieser Wert wird kreisweit durch die Wasserversorger eingehalten.

Auch in Lebensmitteln kommt natürlicherweise Blei vor: In Getreide, Fleisch, Fisch und Gemüse lässt sich regelmäßig Blei nachweisen, Obst weist eine geringere Bleibelastung als Gemüse auf. Getränke sind allgemein gering belastet mit Ausnahme von Wein, hier lassen sich im Median Werte von 0,025 mg/L messen.

Außerdem kommt Blei häufig in billigem Importschmuck vor. Aus Dänemark wurde in der Vergangenheit eine unzulässige Bleiabgabe aus Ohrringen und mehreren Halsketten gemeldet.

Bleiwerte im menschlichen Körper

Durchschnittlich nimmt jeder Deutsche 0,16 mg Blei pro Tag auf. Die Human-Biomonitoring-Kommission am Umweltbundesamt hat einen Referenzwert für Blei im Blut beim Menschen veröffentlicht. Die Human-Biomonitoring-Kommission weist ausdrücklich darauf hin, dass die Referenzwerte rein statistisch definierte Werte sind, denen keine gesundheitliche Bedeutung zukommt. 95% der Bevölkerung haben niedrigere, 5% der Bevölkerung höhere Bleikonzentrationen im Blut. Dieser Wert beträgt 35 µg/l bei Kindern (3-14 Jahre), 30 µg/l bei Frauen (18-69 Jahre) und 40 µg/l bei Männern (18-69 Jahre).

Bei arbeitsmedizinischen Untersuchungen wird der biologische Grenzwert zugrunde gelegt. Er gibt an, bis zu welcher Konzentration die Gesundheit von Beschäftigten im Allgemeinen nicht beeinträchtigt wird. Dieser Wert beträgt 400 µg/l bzw. speziell 300 µg/l für Frauen unter 45 Jahren. Vergiftungserscheinungen durch chronische Bleibelastung können beim Erwachsenen ab einem Wert von etwa 500 µg/l auftreten.

Risikogruppen einer Bleibelastung sind insbesondere:
- nicht oder frühzeitig abgestillte Säuglinge
- (Klein)Kinder, insbesondere mit ausgeprägtem Pica-Verhalten (Essen von Dingen, die als nicht genießbar gelten, zum Beispiel Sand)
- Frauen im gebärfähigen Alter
- Personen mit Mangelernährung (Eisen-, Calcium-, Zink-, Phosphatmangel erhöhen die Bleiresorption im Magen-Darmtrakt)
- Personen mit einem genetisch bedingten Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel
- Hypertoniker und Diabetiker
- Personen, die beruflichen Umgang mit Blei haben

Wirkungen von Blei bei wiederholter / chronischer Exposition

Es ist keinesfalls so, dass ein erhöhter Bleigehalt im Boden bedeutet, dass automatisch eine Gesundheitsgefahr besteht. Das Blei muss zunächst in das Blut des Menschen. Eine Bleiaufnahme über intakte Haut ist nahezu ausgeschlossen. Nur wenn bleihaltige Partikel (z.B. Erdanhaftungen an Obst und Gemüse) einen Weg in den Körper finden, kann dies zu einer Resorption führen. Viele individuelle Eigenschaften des Menschen, wie auch die physikochemischen Eigenschaften der Bleiverbindung bestimmen, wie viel Blei aufgenommen, und wie viel unverändert ausgeschieden wird.

Im Wesentlichen unterscheidet man die akute Vergiftung durch einmalige hohe Dosen und die chronische Vergiftung durch längere Exposition gegenüber höheren Bleimengen. Die Zahl der so Betroffenen kann leider nicht exakt benannt werden, da Schäden durch Bleieinwirkung nur in Summe mit anderen Schwermetallvergiftungen (z.B. Quecksilber, Chrom) erfasst werden. Durchschnittlich werden laut statistischem Bundesamt bundesweit ca. 70 Fälle von Erkrankungen durch Schwermetallen pro Jahr in Krankenhäusern behandelt. Die entsprechende NRW-Diagnosestatistik führt Schwermetallvergiftungen (aufgrund der geringen Fallzahl) nicht separat auf.


Geplante Untersuchung

Aktuell sind durch die Stadt Mechernich erweiterte Untersuchungen zu Bleigehalten und biologischer Verfügbarkeit des Blei in bestimmten Bereichen Mechernichs beauftragt, deren Ergebnisse bei der geplanten Screeninguntersuchung berücksichtigt werden sollten.

Die Bestimmung der Blutbleikonzentrationen wird durch das Labor des anerkannten universitären Umweltmediziners Prof. Dr. med. Thomas Kraus vorgenommen. Er leitet an der Uniklinik Aachen das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin. Prof. Kraus ist anerkannter Fachmann bei umweltmedizinischen Fragestellungen, seine Forschungsschwerpunkte liegen u. a. im Bereich der gefahrstoffbedingten Erkrankungen und in der Risikobeurteilung von Schadstoffeinwirkungen auf den menschlichen Körper. Darüber hinaus ist er zertifizierter Gutachter der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin.
Das seinem Institut zugehörige Labor ist durch alle relevanten Fachgesellschaften für umweltmedizinische Analysen zertifiziert, wodurch die dort ermittelten Werte eine hohe Aussagekraft besitzen. Da die Halbwertszeit von Blei im Blut sehr lang ist, ist der Zeitpunkt der Probenahme nachrangig.

Die Untersuchung soll nach derzeitigen Planungen wie folgt ablaufen:

• Eine Planungsgruppe mit Mitarbeitern des Ordnungsamtes der Stadt Mechernich sowie den Abteilungen Geoinformation, Umwelt und Gesundheit des Kreises Euskirchen erarbeiten unter fachlicher Betreuung des Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der RWTH Aachen die praktische Umsetzung der Untersuchung.
• Durch die Ergebnisse früherer und aktueller Umweltuntersuchungen werden Bereiche des Stadtgebietes Mechernich identifiziert, in denen erhöhte Bleikonzentrationen in Böden mit hoher Wahrscheinlichkeit vorliegen.
• Auf einer Bürgerversammlung wird den Interessierten durch Prof. Kraus das geplante Vorgehen erläutert. Sollten bei dieser Versammlung Aspekte thematisiert werden, die bisher nicht berücksichtigt wurden, besteht die Möglichkeit, das geplante Prozedere anzupassen.
• Freiwillige aus den o.g. Gebieten werden durch öffentliche Bekanntmachung gebeten, einen Termin zur Blutabnahme zu vereinbaren. Personen mit folgendem Freizeitverhalten werden vor allem gebeten, sich zu melden: häufige Gartenarbeit, Vorhandensein eines Nutzgarten, Brunnenanlage zur Trink- oder Gartenwasserförderung, Kinder im Vorschulalter, ect. Diese Auswahl ist zwar nicht repräsentativ (hinsichtlich der Bevölkerungsstruktur), untersucht aber ein „worst-case-Kollektiv“, was dem primären Ziel des Screenings entspricht.
• Die Terminabsprache /-anmeldung für mindestens zwei Untersuchungstage in Mechernich erfolgt durch ein Onlineportal der Stadt Mechernich.
• Die Blutabnahmen und die Befragung der Probanden erfolgen durch Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Euskirchen.
• Zur Befragung ist ein strukturierter Fragebogen entwickelt worden, der durch einen Mitarbeiter des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der RWTH Aachen ausgewertet und mit den Laborergebnissen abgeglichen wird.
• Nach Eingang der Ergebnisse erfolgt eine erneute Bürgerinformation. Den Freiwilligen werden die individuellen Ergebnisse schriftlich übermittelt. Alle Einzelergebnisse unterliegen selbstverständlich der ärztlichen Schweigepflicht.
• Bei Untersuchungsergebnissen, bei denen eine weitere Untersuchung sinnvoll erscheint, führt das Gesundheitsamt, ggf. in Kooperation mit dem Haus- oder Kinderarzt, weitere Untersuchungen durch.

Zeitplanung

Vorbehaltlich des Abschlusses der durch die Stadt Mechernich beauftragten Untersuchung ist folgende Umsetzung geplant:

Die erste Bürgerversammlung soll für Mitte April geplant werden, die Blutabnahmen sollen im Juni erfolgen, die Ergebnisse werden im Rahmen einer Bürgerinformation nach den Sommerferien vorgestellt. Hier werden auch eventuelle Konsequenzen der Untersuchung thematisiert.
Herausgeber / Ansprechpartner:
Kreis Euskirchen - Der Landrat -
Pressestelle
Wolfgang Andres
Jülicher Ring 32
53879 Euskirchen
Tel.:
02251/15-303
Fax.:
02251/15-392
Postkarte Mechernich
Mechernich: Ortsansicht mit Bleibergwerk (Ausschnitt aus einer Ansichtskarte, die 1899 versandt wurde)



Infoboxen

Facebook & Newsdesk

zum Newsdesk

Der Newsdesk hält alle Pressemitteilungen des Kreises ab 2009 bereit und bietet eine umfangreiche Recherche-Funktion.
Außerdem haben Sie hier die Möglichkeit, den Newsletter-Service zu abonnieren.

Freizeit

Kinderschmincken

Termine & Veranstaltungen

im Kreis Euskirchen