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Kein Job von der Stange in der DRK-Kleiderkammer
Hosen, Röcke, Oberteile und Schuhe, soweit das Auge reicht. Jeder Zentimeter in den Räumen der „Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes NRW Euskirchen II“ ist gut durchdacht ausgefüllt. Hier ist zwischen Kleidung für Herren, Damen und Kinder das Reich von Ralf Albat. Als Leiter der Kleiderkammer hat er nicht nur Organisation und Sortierung im Griff, sondern zaubert mit einem Blick auf seine Kunden die richtigen Konfektionsgrößen aus den deckenhohen Regalen.
„Eigentlich bin ich gelernter Maurer“, erklärt der 52-Jährige, der seit Oktober 2015 im Gebäude an der Thomas-Eßer-Straße mit anpackt. „Aus gesundheitlichen Gründen kann ich meinen Beruf nicht mehr ausüben“, ergänzt der gebürtige Duisburger, der heute in Euskirchen lebt. „Meine Bewerbungen als Bauleiter blieben ohne Erfolg“, erinnert sich Albat an seine Bemühungen, einen anderen Weg einzuschlagen. „In der Zeitung habe ich dann gelesen, dass für eine Flüchtlingsunterkunft Helfer gesucht werden. Die Euphorie zu helfen hatte mich damals wie viele andere auch gepackt.“

„Wir haben im September 2015 hier eröffnet und Herr Albat hat von Beginn an als ehrenamtlicher Helfer tatkräftig mit angepackt“, erzählt Kerstin Brandhoff, Leiterin der Stabstelle Flüchtlingshilfe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Albat, der gerade seinen Zweijahresvertrag bis Ende März 2020 verlängert hat, sprang dabei genauso ins kalte Wasser wie die hauptamtlichen Mitarbeiter des DRK. „Es wurden Kisten oder sogar Lastwagenladungen mit Bekleidung, Bett- und Haushaltswäsche angeliefert, die wir zunächst gemeinsam mit den Gästen der Einrichtung sortiert haben“, beschreibt Albat die Anfänge seiner Tätigkeit. Die Erinnerung an seine eigene Jugend brachte ihn dann auf eine Idee: „Der erste Raum, den Du bei der Bundeswehr zu Gesicht bekommst, ist die Kleiderkammer.“

Während Albat diese Bilder in seinem Kopf Wirklichkeit werden ließ, lieferte das „ESF Bundesprogramm für Langzeitarbeitslose“ für den erfinderischen Ehrenamtler den Schlüssel zu einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis.

„Das Programm setzt sich aus zwei Säulen zusammen, die einer nachhaltige Integration von Langzeitarbeitslosen auf dem ersten Arbeitsmarkt als Fundament dienen“, erklärt Josef Weingarten. „Neben Lohnkostenzuschüssen für die Arbeitgeber, die zu Beginn der Förderlaufzeit bei 75 Prozent liegen, werden die Teilnehmer nach Aufnahme des Beschäftigungsverhältnisses von einem Jobcoach begleitet und unterstützt“, so der Geschäftsführer des Jobcenters EU-aktiv weiter.

Diese regelmäßigen Treffen waren für Albat das „Sahnehäubchen“ zum Arbeitsvertrag, den das DRK ihm dank der Lohnkostenzuschüsse anbieten konnte. „Frau Balcarczyk fiel wie ein Engel vom Himmel“, erinnert sich Albat an seine persönliche Ansprechpartnerin. „Wir haben im Coaching anhand von Rollenspielen geübt oder ich bekam Hausaufgaben, die ich im Alltag umsetzen konnte“, erinnert sich Albat, der sich als gelernter Maurer auf die ungewohnte Zusammenarbeit mit einem überwiegend weiblichen Team einstellen musste. Esther Balcarczyk, Mitarbeiterin des Jobcenters, die sowohl als Betriebsakquisiteurin als auch als Jobcoach den beruflichen Neuanfang von Albat begleitete, gab auf diese Weise regelmäßig neue Denkanstöße, die der Euskirchener für sich nutze. „Ein Hinweis ist mir besonders im Kopf geblieben: Nichts bewerten, sondern nur beobachten“.

Eine Strategie, die auch im Umgang mit den Gästen der ZUE zum Tragen kommt. „Ich habe einen Weg gesucht, allen gerecht werden zu können. Dabei habe ich für mich gelernt, dass zu viel Nähe nicht gut ist, sondern eine gewisse Distanz angebracht ist.“
So entstand aus Albats Feder das Konzept „Shoppen in 10 Minuten“, das bei großem Andrang den Ansturm in Grenzen hält. Zurecht mit Stolz blickt Albat auf die letzten Monate zurück, in denen er für sich selbst und für andere mehr als nur eine Kleiderausgabe auf die Beine gestellt hat. Er selbst vergleicht seinen Erfolg mit dem Maurer-Handwerk: „Auf dem Bau bekommt man auch eine Aufgabe gestellt, die man anschließend umsetzt.“ Für eine berufliche Neuorientierung empfiehlt Albat, Augen und Ohren offenzuhalten. „Und man muss ich bewegen. Von alleine kommt kein Job vorbei.“

Das „Programm zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit“ wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert. Es richtet sich an langzeitarbeitslose Men¬schen, die gerne ins Berufsleben zurückkehren möchten. Oft scheitern die Bewerbungsbemühungen an den Lücken, die die Lebensläufe aufweisen. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz und die Entfernung vom Arbeitsmarkt wird immer größer. Um die Integration in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse auf dem ersten Arbeitsmarkt zu erreichen, steht ein Betriebsakquisiteur als Mittler zwischen Arbeitgeber und Bewerber. Nach Aufnahme der Beschäftigung werden die Teilnehmenden durch einen Coach begleitet und unterstützt. Bei Bedarf werden Qualifizierungen für teilnehmende Langzeitarbeitslose gefördert, um so mögliche Defizite auszugleichen. Anfangs erhalten Arbeitgeber Lohnkostenzuschüsse, die im Verlauf des Beschäftigungsverhältnisses abgeschmolzen werden.
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Ralf Albat in seinem „Reich“, das er maßgeblich mitgestaltet hat. Foto: Jobcenter EU-aktiv, Dagmar Grömping
Ralf Albat in seinem „Reich“, das er maßgeblich mitgestaltet hat. Foto: Jobcenter EU-aktiv, Dagmar Grömping
Ralf Albat in seinem „Reich“, das er maßgeblich mitgestaltet hat. Foto: Jobcenter EU-aktiv, Dagmar Grömping
Ralf Albat in seinem „Reich“, das er maßgeblich mitgestaltet hat. Foto: Jobcenter EU-aktiv, Dagmar Grömping
Ralf Albat im Gespräch mit Esther Balcarczyk, Mitarbeiterin des Jobcenter EU-aktiv, die ihm als Jobcoach zur Seite steht. Foto: Jobcenter EU-aktiv, Dagmar Grömping
Ralf Albat im Gespräch mit Esther Balcarczyk, Mitarbeiterin des Jobcenter EU-aktiv, die ihm als Jobcoach zur Seite steht. Foto: Jobcenter EU-aktiv, Dagmar Grömping
Gemeinsam mit seinen Kolleginnen Nicole Mangiaracina (von links), Angelika Schmitz und Marlene Küppers sortiert Ralf Albat die Kleidung, die beim DRK abgegeben wurden. Foto: Jobcenter EU-aktiv, Dagmar Grömping
Gemeinsam mit seinen Kolleginnen Nicole Mangiaracina (von links), Angelika Schmitz und Marlene Küppers sortiert Ralf Albat die Kleidung, die beim DRK abgegeben wurden. Foto: Jobcenter EU-aktiv, Dagmar Grömping



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